Die Angstmacherei funktioniert – noch
Cornelia Fiedler Herr Akhanli, Sie sind frisch zurück in Deutschland, zwei Monate saßen Sie in Spanien fest, Grund war ein internationaler Haftbefehl der Türkei. Jetzt stehen Sie wieder in «Istanbul» von Nuran David Calis am Schauspiel Köln auf der Bühne (s. TH 7/17 S. 27f.). Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Ihrem Auftritt in der Stückentwicklung, in der Sie scharfe Kritik an der Regierung Erdogan äußern, und ihrer Festnahme?
Dogan Akhanli Das ist eine von mehreren Möglichkeiten, ich weiß es nicht sicher.
Natürlich ist das, was wir da in «Istanbul» tun, aus türkischer Perspektive unerträglich. Nicht nur der Inhalt, also dass wir kritisch über die türkische Politik diskutieren und den Gründungsmythos der Türkei in Frage stellen. Sondern auch, dass dieser Inhalt in einem etablierten bürgerlichen Raum, im Schauspielhaus vorgetragen wird.
Fiedler Das Besondere an «Istanbul» ist ja auch, dass hier Leute aus der türkisch-deutschen Community trotz massiver Differenzen das Gespräch miteinander nicht aufgeben. Die türkische Regierung setzt dagegen gezielt auf Spaltung.
Akhanli Genau, unser Stück ist ein Gegenprojekt dazu. Erdogan will polarisieren und separieren, wir wollen ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Akteure, Seite 28
von Cornelia Fiedler
#EveToo. Es ist ja das Stück zur Stunde. Ein Mann mit Macht nötigt eine junge Frau zum Sex; die Ähnlichkeiten mit lebenden Personen drängen sich auf und sind leider ganz gewiss nicht zufällig. In nackter Scheußlichkeit windet er sich also auf die Bühne, Markus Scheumanns Adam, und hopst auf seinen Dorfrichter-Drehsessel. Von da grinst er zufrieden herunter und...
Ende letzten Jahres begab es sich, dass der Spaßmacher Mario Barth für sein RTL-Reporterimitat «Mario Barth deckt auf» die Oper Hannover besuchte. Gerüstet mit fragwürdigen Fakten und schütterem Stammtischwitz wollte er des Steuerzahlers Herzen bis zum Bluthochdruck höherschlagen lassen: Was diese elenden Kulturelitären alles verprassen, von den sauren...
Warum denn immer weiterziehen, wenn man sich als Intendant gerade so hübsch eingerichtet hat? Man kennt die örtliche Kulturpolitik bis zum Du, hat sich in langen Abenden einen ergebenen Freundeskreis des Theaters aufgebaut, die lokalen Honoratioren und Entscheidungsträger fleißig um sich geschart und viele wertvolle Kontakte in der Stadt geknüpft. Auch die...
