Der unendliche Kollaps
Einer kann nicht schlafen. Ein anderer hört die Stimme Gottes. Wieder ein anderer ruft die Polizei. Einer kann sich nicht erinnern. Ein anderer fragt, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Wieder ein anderer kennt keine Angst …
Nahezu endlos ließe sich diese Aufzählung von kleinen Handlungssequenzen fortführen. Denn das neue Stück der britischen Autorin Caryl Churchill, die seit den siebziger Jahren die englische Dramatik maßgeblich beeinflusst, zeigt über hundert Figuren in rund fünfzig Szenen.
Nach inhaltlich und formal außergewöhnlichen Stücken wie «Far away» oder «Drunk enough to say I love you» hat die inzwischen 74-jährige Dramatikerin ein neues Experiment gewagt und ist damit ganz am Puls der Zeit. «Liebe und Information» ist ein irrwitziges Szenenkaleidoskop, in dem keine Figur zweimal auftritt, in dem das Banale neben dem Beunruhigenden, das Komische neben dem Katastrophalen, Szenen von ein paar Zeilen neben mehrseitigen Dialogen stehen. Alle Elemente sind ohne wirklich erkennbare Hierarchie, nahezu gleichberechtigt, aneinandergereiht. Es entsteht eine sogartige Bewegung, wie man sie von Google-Suchaktionen kennt, in denen man sich von Link zu Link klickt, gleichzeitig immer ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 167
von Friederike Engel
Die Welt ist unübersichtlich geworden. Alles hängt mit allem zusammen. Und während mit der Vernetzung der Welt unsere Möglichkeiten theoretisch ins Unermessliche gewachsen sind, ist es gleichzeitig immer schwieriger geworden, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um an das zu gelangen, was man das «Gute Leben» nennen könnte. Oder wie es Amanda in «Die Welt mein...
Johan Simons kann sich freuen. Im dritten Jahr seiner Intendanz werden die Münchner Kammerspiele wieder Theater des Jahres. So lösen sich künstlerische Positionen ein. An zweiter Stelle steht das Schauspiel Köln im letzten (und renovierungsgebremsten) Jahr von Intendantin Karin Beier: Rückblick auf eine Ära.
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