Der Traum vom Maidan
Das «gegenständliche Leben für fünf Schauspieler», so der Untertitel von Dmytro Ternovyis «Hohe Auflösung», endet für Jelena kurz vor Stückschluss leider ebenfalls gegenständlich: Ein Pflasterstein trifft sie tödlich am Kopf. Der Brocken kommt zwar nicht zufällig durchs Fenster geflogen, aber er hätte genauso gut vorbeifliegen können. Jelena hat einfach kein Glück gehabt.
«Hohe Auflösung» wäre es beinahe ähnlich ergangen. Das Stück ist schon 2012 entstanden und erzählt nicht nur sehr aufschlussreich von gescheiterten Leben in der Ukraine seit der Orangenen Revolution.
Es nimmt vor allem die Ereignisse am Kiewer Maidan mit erstaunlichen Einzelheiten bis zu den Sniper-Einsätzen gespenstisch vorweg – und wäre selbst beinahe am Theater vorbeigeflogen. Oder in einem 50-Plätze-Privattheater verglüht. Dabei entwickelt es geradezu hellseherische Fähigkeiten. Nur ein paar Zufälle und ein EU-Dramenwettbewerb haben es in die Umlaufbahn nach Westen befördert – und was sein Glück dort angeht, gibt es auch einiges zu erzählen.
Leben auf der Schaukel
Dmytro Ternovyi ist 1969 geboren und lebt mit Frau und Tochter in Charkiw in der Ostukraine. Nach dem Philologie-Studium arbeitete er von 1992 bis ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Ausland, Seite 56
von Franz Wille
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