Der Teufel wohnt im Emmental
Es gehört von jeher zum Wesen des Menschen, dass er dort, wo er die Dinge nicht versteht und die Welt ihm Angst macht, nach Erklärungen sucht, um sich das Unheimliche näher zu bringen. Wo keine rationalen Erklärungen zu finden sind, entstehen Geschichten gegen das Fürchten, die über Jahrhunderte und Generationen hinweg weitererzählt werden: ein eigener Kosmos aus Naturereignissen, bösen Mächten und Teufelswerk.
Auch Hanna, die Hauptfigur in Reto Fingers «Kaltes Land», kennt diese Geschichten: Vom «Britsche-Manndli» etwa, einem von Kinderhänden geformten Männchen aus «Britsche», der weichen Masse jungen Käses, in dem der Teufel zum Leben erwacht und das Kind und seine Familie ins Unglück stürzt. Oder von Macolvis Tochter, von der es heißt, sie sei auf grausame Art zu Tode gekommen und der Wind trage nun ihren traurigen Gesang aus den unzugänglichen Schluchten ins Dorf, um im Winter den ersten Schnee anzukündigen.
Dort, wo Hanna aufwächst, irgendwo in einem entlegenen Tal in den Schweizer Bergen, gehören diese Geschichten bis heute ganz selbstverständlich zum Leben dazu, ja, sie sind bisweilen gar das Leben selbst. Hier pflegt man einen ebenso archaischen wie pragmatischen Umgang mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Images of hell. They are silent.»
Es gibt eine Homepage, auf der Menschen aus allen Regionen der Welt Fotos veröffentlichen, die eine kollektive Botschaft verkünden: «We are not afraid.» Wir haben keine Angst – vor Attentaten, vor fundamentalistischem Terror. Interessant ist, dass die meisten Bilder aus Ländern stammen, in denen gar keine Anschläge stattgefunden...
Alltagsmenschen im Ausnahmezustand interessieren Sergi Belbel sehr. Um sie möglichst schnell dahin zu bringen, verwendet er starken Zündstoff: Kidnapping, schwere Unfälle, Terroranschläge sind Auslöser für plötzliche Seelenauffaltungen mittlerer Manager oder bringen festgefahrene Familienstrukturen in Bewegung. Er treibt seine Menschen rasch in die Katastrophe und...
Wenn Muriel Gerstner ein Bühnenbild entwirft, wird immer ein besonderer Spielraum daraus. Man kann das eine Regel nennen, im Nachhinein.
Aber vorher helfen nur ausgreifende Lektüren und – vielleicht – ein Foto von Freud über dem Sicherungskasten im Atelier: Judith Gerstenberg, bisher Dramaturgin in Basel, begibt sich auf Spurensuche, nicht ohne Fallen.
