Der Spendengenerator

Im Generieren von Aufmerksamkeit war das Zentrum für Politische Schönheit schon immer große Klasse. Mit «Flüchtlinge fressen» brachten sie auch den Spendengenerator zum Rotieren

Theater heute - Logo

Nach 14 Tagen sackte der artivistische Riesenballon, den das Zentrum für Po­litische Schönheit mit der zartfühlenden Aufschrift «Flüchtlinge fressen» in einer «Bun­deserpressungskonferenz» aufgeblasen hatte, schlaff in sich zusammen: Kein Flüchtling wurde gefressen, und kein Syrer gelangte an Bord der «Joachim 1» von Izmir nach Berlin Tegel. Denn beides hatte das ZPS in seiner Aktion ul­timativ verknüpft: Um die Bundesre­gierung zu erpressen, ein Flugzeug mit Füchtlingen in Tegel landen zu lassen, wollten sich Freiwillige von Tigern auffressen lassen.

 

Sie sitzen noch immer ohne Visum in der Türkei fest, die 100 Menschen, die auf der Website des Zentrums für politische Schönheit den «lieben Joachim» (Gauck) um präsidentialen Beistand anflehten bei der Aufhebung ihrer Einreiseschwierigkeiten. Falls sie tatsächlich gehofft haben sollten, auf diesem Weg im Familiennachzug zu ihren «Liebsten», wie das Zentrum es ausdrückte, nach Deutschland zu kommen, dürften sie den Humanismus ihrer freiwilligen Helfer vom ZPS durchaus so «aggressiv» finden, wie Philipp Ruch & Co ihn selbst kokett etikettieren.

 

Befürchten muss man das nicht wirklich. Vermutlich sind die Website-Flehenden so ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2016
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Die Kunst im Remake

Der ungarische Musiktheaterregisseur David Marton steht für eine musikalisch unverkrampfte Herangehensweise an das immer noch weitgehend sakrosankte Heiligtum bürgerlicher Hochkultur. Oper nicht durch Bebilderung zu interpretieren, sondern aus der Partitur heraus in Kombination mit den speziellen musikalischen Fähigkeiten der jeweiligen Mitwirkenden neu...

Im Land von Recht und Gerechtigkeit

Dieses Theater hat nicht die Aufgabe, sich mit der aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Situation auseinanderzusetzen. Dieses Theater ist seinem jüdischen Erbe verpflichtet», erklärt der ältere Herr im Leitungsbüro des Jüdischen Theaters in Warschau freundlich. Dabei ist das antisemitische Graffito auf der grauen Betonwand gegenüber auch durch das Fenster...

Sehnsucht nach terra incognita

Normal Theatre Is Boring» steht auf dem Pappschild, das eine Performerin mit grellbuntem Rock und strammen Zöpfen ins Publikum streckt. Nein, langweilig ist dieser Theaterabend keineswegs: Die Zuschauer hocken auf plastikbezogenen Kissen am Boden, sie tragen Regenponchos und Ohrstöpsel gegen die künstlerischen Zumutungen von Toco Nikaido und ihrer Gruppe Miss...