Der Mörder in mir

Großaufnahme: Jan Fehses Film «Jasmin», ein Kammerspiel aus der Psychiatrie mit Wiebke Puls und Anne Schäfer

Theater heute - Logo

Manchmal träumt man ja auch im Theater davon, festgenagelt auf seinem Platz in der siebten Reihe: ganz nach vorne zu rücken, den Schauspielern auf die Pelle; aus nächster Nähe in diese Gesichter zu gucken, statt immerzu die mittelnahe Totale auf ihre Zeichen befragen zu müssen. Die Kamera zu sein, die sich heranzoomen kann an zuckende Lider, flattrige Hände, das kurze Schniefen und den langen Blick.

Ein Unique Selling Point des Films, wie gemacht vor allem für die Verhörsituation: zwei Leute, ein Tisch dazwischen und all das, was verborgen bleiben soll und sich doch im Gesicht offenbart. So funktionierte 1995 Romuald Karmakars «Der Totmacher», in dem Götz George zwei Stunden lang nach den originalen Verhörakten aus den 20er Jahren dem Serienmörder Fritz Haar­mann seine bemerkenswerte Präsenz verlieh.

Dieses Vorbild muss auch Jan Fehse für seinen Film «Jasmin» vorgeschwebt haben. «Jasmin» ist allerdings kein «Reenactment», wie man Karmakars Film heute vermutlich labeln würde, sondern ein Kammerspiel nach einem Drehbuch von Christian Lyra, das nach Recherchen verschiedener realer Fälle von Kindstötung frei zusammenmontiert wurde. In einem grau-fahlen Raum in einer psychiatrischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2012
Rubrik: Magazin: Kino, Seite 68
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Der doppelte Beckmann

Borchert, unplugged – das hätte man sich so vorzustellen: 50 Seiten Text voller Pathos, voller Redundanz, 16 Rollen, u.a. der liebe Gott, der Tod und die Elbe, das Ganze gipfelnd im Aufschrei: «Gibt mir denn keiner, keiner Antwort???»

«Draußen vor der Tür» ist eine invertierte Odyssee, der späte Kriegsheimkehrer erscheint nicht als kraftstrotzender Bogenschütze,...

Premieren im Juni · On Tour

Aachen, Theater
1. Kleist, Der zerbrochne Krug
R. Markus Kopf

Aalen, Theater der Stadt
15. Erpulat/Hillje, Verrücktes Blut
R. Marguerite Windblut
16. Jarry, König Ubu
R. Nikolaos Boitsos

Anklam, Vorpommersche Landesbühne
30. Bordel, Vineta – die Hexenwetter
R. Wolfgang Bordel (in Zinnowitz)

Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
30. O’Brien, The Rocky Horror Show
R. Ingolf...

Pop Up!

Zunächst mal: Warm machen! Aus dem Orchestergraben tönen in unregelmäßigen Abständen die ersten Takte von Monteverdis «L’Orfeo» von 1607. Auf der Bühne häufelt ein glitter–geschmink­tes Girl im hautfarbenen Minikleid einen Kreis aus weißen Steinen auf, balanciert dabei auf schwindelerregenden Pumps, zumal, wenn sie sich ganz tief hinabbeugt und den Popo in Richtung...