Der Mann, der nicht küssen konnte
Auf der Bühne liegt ein großes schwarzes Ding. Es liegt die ganze Zeit da, ohne dass je deutlich würde, was es überhaupt ist. Das Ding könnte ein riesiger alter Scheinwerfer sein, vielleicht irgendwas Militärisches oder auch etwas ganz anderes. Egal: Offensichtlich hat das Ding ohnedies bloß Symbolcharakter. Es steht für etwas, was irgendwann passiert ist und jetzt einfach nicht mehr weggeht.
Um konkreter zu werden: Der Vorfall, den das Ding symbolisiert, hat sich 1945 zugetragen. Da ist bei einem Bombenangriff ein Baby ums Leben gekommen.
Anne Habermehls Stück «Luft aus Stein» handelt von den Folgen dieses Unglücks. Das Trauma, dass der Kindstod in seiner Mutter auslöst, wird sich in die nächsten Generationen fortpflanzen. Noch fast 70 Jahre später, in der Gegenwart, liegt es wie ein undefinierbarer schwarzer Block im Zimmer herum. «Vergangenheitskrebs» wird es eines der nachgeborenen Opfer einmal nennen.
«Luft aus Stein» spielt abwechselnd auf drei Zeitebenen: in den 40er Jahren, in den 60er Jahren und heute. Als Orientierungshilfe werden zu den Szenen die Jahreszahlen eingeblendet. Das ist schon deshalb hilfreich, weil nur vier Schauspielerinnen und Schauspieler im Einsatz sind, ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Neue Stücke, Seite 26
von Wolfgang Kralicek
Kevin Rittberger schreibt dem Schauspiel Frankfurt, dem Festival «Frankfurter Positionen», drei Schauspielern und vor allem Samuel Weiss als Regisseur ein Stück. Es dauert anderthalb Stunden. Hinterher schauen sich alle an: Was war denn jetzt das? Diskutieren dann aber doch sehr angeregt und fühlen sich offenbar bestens unterhalten.
Rittberger nennt «Kimberlit» «ein...
Nebel im Olivenhain und Nebel im Gemüt. Endlose Minuten schleichen wir mit Merle durch das südfranzösische Ferienhaus ihres älteren Geliebten, in dem es trotz Sommerhitze ordentlich fröstelt. Weil dieser Geliebte Romuald mit seiner Anreise tagelang auf sich warten lässt, muss Merle mit seinen pubertierenden, wohlstandsverzogen dahindämmernden Kindern allein klar...
Und plötzlich ist da eine, die leuchtet. Ein Stern. Kein Star, aber ein Stern. Ein Star hat diese Aura einer irgendwie absonderlichen Besonderheit, einen Tick, einen Spleen, eine Masche, die ihn sofort wiedererkennbar macht, ein Markenzeichen oder auch nur eine Marketing-Strategie. Ein Stern ist lauter. Nicht lauter im Sinn von mehr als laut, obwohl auch er sich...
