Der Letzte seiner Art
Mäandernd durch Wirklichkeit und Einbildung, Wachträume und geborgte Erinnerungen erzählt Peter Handke in «Immer noch Sturm» vor allem vom Durchhalten, von dem Willen, sich mit Gefühl und Gehirn gegen das Vergessen, die Auslöschung, gegen den Ausverkauf der Identität zu wehren.
Den Spuren seiner eigenen Familie nachforschend, lässt er seine Figuren straucheln, scheitern, sterben, aber er lässt sie auch wieder auferstehen im Gedenken, macht sie so zu einfachen Helden des Alltags, die sich über die Grenzen von Ländern und auch des Verstandes hinweg ihrer Legitimität in der Geschichte vergewissern, sich behaupten vor allem in und mit ihrer Sprache gegen fremde Autoritäten und Okkupanten.
In Kriegszeiten und in Momenten des brüchigen Friedens, angesiedelt im südlichen Kärnten, wo sich die slowenische Minderheit gegen «die Deitschen» wehrt und unter den Österreichern zu keiner Eigenständigkeit mehr findet, wird eine Sippe auseinandergerissen und der Heimat beraubt. Und wenn Stefan Otteni in Nürnberg diese kleine Welt, die Zuhause und Zuflucht bedeutete (Bühne: Peter Scior), mit viel Effekt zusammenkrachen lässt, dann geht das über die historische Stimmigkeit der Ereignisse hinaus: In ...
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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Bernd Noack
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Borchert, unplugged – das hätte man sich so vorzustellen: 50 Seiten Text voller Pathos, voller Redundanz, 16 Rollen, u.a. der liebe Gott, der Tod und die Elbe, das Ganze gipfelnd im Aufschrei: «Gibt mir denn keiner, keiner Antwort???»
«Draußen vor der Tür» ist eine invertierte Odyssee, der späte Kriegsheimkehrer erscheint nicht als kraftstrotzender Bogenschütze,...
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