Der fleischfarbene Anzug der Avantgarde

Ein Wochenende beim Kunst- und Theaterfestival steirischer herbst in Graz

Theater heute - Logo

Vielleicht hatte man «The Theatre» doch unterschätzt. Nachdem International Festival – so nennen sich Architekt Tor Lindstrand und Choreograf Marten Spangenberg – im Presseheft erläutert hatten, dass das Provisorium auf dem Grazer Karmeliterplatz nicht nur ein Bühnenzelt, sondern ein kollektives Performance-Kunstwerk, «temporäre Intervention» und «soziale Interaktion» war, für die zwei Jahre lang 40 Künstler «kollaboriert» hatten, hätte man die beiden Schweden fast unter heißer Luft verbucht.

Doch dann fand man sich morgens um drei im Vorzelt dieser theatralen Wundertüte, schlürfte den x-ten gereichten «Squashed Frog» (Schnaps, grüner Wackel­pudding, Vanillesauce) und freute sich, dass die soziale Interaktion wie geschmiert lief.
 

40. Geburtstag

Und es gab ja auch etwas zu feiern. Das interdisziplinäre, natürlich der Kleinschreibung verpflichtete Kunstfestival steirischer herbst wurde 40 – und mit ihm die Tradition, das konservative, geschäftstüchtige Graz der Unruhestiftung durch zeitgenössische Kunst auszusetzen. Elfriede Jelinek und Peter Handke lasen hier Ende der 60er Jahre, Hermann Nitsch, Hans Haacke und Christoph Schlingensief setzten Duftmarken. Doch die Tradition ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2007
Rubrik: Magazin/Festival, Seite 58
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Dann nehm ich eben, was mir fehlt

Ein Mann, er heißt Oliver, hetzt nächtens durchs vorweihnachtliche Berlin. Mit einem Feldstecher und einem Fläschchen Chloroform bewaffnet, steuert er seinen kleinen Transporter dorthin, wo er die Einsamen vermutet, und sammelt ein: Die Frau seines Chefs, eine Seniorin, die im Heim vor einem Piccolo sitzt, einen Jungen, der auf dem Spielplatz schläft, er lauert...

"Der Schurke ist am einfachsten zu spielen"

Franz WilleTim Staffel, spielen Sie selbst auch Computerspiele?

Tim StaffelNein, mein Problem ist einfach, dass ich dazu motorisch gar nicht in der Lage bin. Ich kann weder eine Tastatur noch eine Konsole so bedienen, dass ich damit irgendeinen Punkt machen könnte. Man muss sehr schnell sein und mit vielen Fingern arbeiten, das liegt nicht in meinen Genen, und ich...

«Ich muss es rauslassen!»

Seit ein paar Jahren tauchen sie in den In­szenierungen von Rimini Protokoll auf: Menschen wie du und ich, ohne Schauspielausbildung und Mimenehrgeiz, mit einem mehr oder weniger interessanten Beruf und einer mehr oder weniger durchschnittlichen Vergangenheit, mit Hobbies, Krankheiten, Ehrenämtern. Theaterkritiker, die diese Menschen als Laien bezeichneten, wurden...