Der Aufmerksamkeitsterrorist
Es gibt natürlich eine Webseite. Auf www.die-leiden-des-jungen-werther.de kann man sich die Briefe des längst tot Geglaubten als Mail schicken lassen, täglich oder – zur Wahrung des Zeitgefühls – den datierten Abständen folgend. Ein Hauch von «norway.today» durchweht den Klassiker. Man kann auch Seiten suchen, die Werther und Kurt Cobain in einen Zusammenhang bringen: Google spuckt 11.000 mögliche Fundstellen aus. Terrordrom-Autor Tim Staffel hat sich mit dem Werther beschäftigt und natürlich Nicolas Stemann. Und, ach ja, André Eisermann hat mit ihm ein Hörbuch besprochen.
Wer redet da noch von Plenzdorf?
Einfach macht er einem die Sache dennoch nicht, dieser Werther, dieser (freiwillige? mutwillige?) Außenseiter, der in einem Augenblick die schönsten, innigsten Zeilen schreibt, im nächsten aber mit seiner hochtrabenden Eitelkeit und Ich-Fixiertheit unerträglich wird. Der Lotte liebt und die Kunst – oder doch nur sich selbst? Der sich umbringt, und man weiß nicht, war das nun wirkliche Verzweiflung oder wieder eine Inszenierung oder beleidigte, rechthaberische Rache? Man kann diesen Kerl bewundern, auch schätzen, vielleicht sogar lieben – zu einem Helden kann man ihn eigentlich ...
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Der Bühnenboden ist hochgeklappt und präsentiert ein großes plastisches Bild. Es könnte eine Satellitenaufnahme des Irak sein. Wäre das der Fall, lägen unten im Süden die Ausgrabungsstätten von Ur und weiter oben Bagdad. Etwas später klappt der geopolitisch brisante Ausschnitt der Welt einfach weg und wird zum Spielgrund einer «Egmont»-Variante, in der die...
Ein Leben in Kontoauszügen? Barabhebung an Geldautomaten zeigen das Cash-Level, die Höhe der Telekom-Rechnungen lässt auf gewerbliche Nutzung des Hausanschlusses schließen, Zeitschriften-Abos verweisen auf den beruflichen oder gesellschaftlichen Horizont, der eher bescheidene Beitrag bei der Künstlersozialkasse muss dem nicht entsprechen – auf der anderen Seite...
Ein Krieg ist zu Ende. Dass er damit für die Menschen, die ihn erlebt haben, für all die Heimkehrenden, Befreiten, Zurückgebliebenen noch lange nicht beendet ist, wird meist verdrängt. Anders in Lars Noréns jüngstem Stück, in dem er zeigt, dass Krieg und die Folgen eines Krieges strukturell gleich zerstörerisch sind.
Ein Familienvater kehrt aus dem Lager zurück....
