Das Wetter von morgen
In Hamburg benimmt sich das Wetter an diesem Premierenwochenende Ende November leider völlig ordnungsgemäß: Es ist kalt, grau, neblig. An der Front des Schauspielhauses prangt in Großbuchstaben: WELT-KLIMAKONFERENZ. Rimini Protokoll macht dieses Mal kein diskursives Re-Enactment wie im letzten Jahr mit den «Situation Rooms» zum internationalen Waffenhandel, sondern die Pre-Simulation eines Ereignisses, das zwei Wochen später in realiter zwölf Tage lang in Lima stattfinden wird, mit 20.000 Teilnehmern, verteilt auf 195 Länder-Delegationen.
In Hamburg sind es eher Delegatiönchen aus zwei bis vier Mitgliedern, aber es sind tatsächlich 195 an der Zahl, die an diesem Abend drei Stunden lang durch Marmorsaal und Theaterkeller, Foyer, Hinterbühnen, Garderoben und Saal treideln auf der Suche nach Erkenntnis, Einsicht, Entscheidung.
Man kann sich nicht aussuchen, zu wem man gehören will, zu den Guten oder den Bösen, den von Dürre oder Hochwasser Bedrohten, den Industrieländern oder der Dritten Welt: Mit den Karten gibt es ein Info-Heftchen, darauf steht, wer ich die nächsten drei Stunden bin – oh je: Saudi-Arabien! Diese megareichen Schurken, Bremser, Ölausbeuter. Schnell noch ein bisschen ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Barbara Burckhardt
Hauptmanns Dachboden in den «Ratten» hat einen doppelten Boden: den der sozialen Tragödie und den der ästhetischen Debatte. Das macht das Stück so attraktiv. Man kann barmende Mitleidsdramatik darin ebenso unterbringen wie deftige Selbstveralberung des Theaters. Volker Löschs Düsseldorfer Inszenierung potenziert diese Gespaltenheit des Stückes noch, weitet die...
Vielleicht ist nichts, wie es scheint. Wenn man statt der Augen grüne Gläser hätte, hielte man die Welt für grün – und das Falsche für wahr. So ähnlich sagte es Kleist, sein berühmtes Zitat hat der Niederländer Bram Jansen seinem «Käthchen von Heilbronn» im Schauspiel Oberhausen zu Beginn auf den Gazevorhang projiziert. Kurz leuchtet ein Märchenkasten auf, eine...
Eigentlich sind Anekdoten von ersten Theatererlebnissen in Schauspieler-Porträts eher albern. Aber bei Daniel Lommatzsch passt es leider wie die Faust aufs Auge. Als 15-jähriger Gymnasiast aus dem Hamburger Nobelvorort Othmarschen musste er mit seiner Schule zu «König Lear» ins Thalia, inszeniert von Jürgen Flimm. Und warum hat es ihm so gut gefallen, dass er...
