Das Kettensägenmärchenmassaker
Das Blut spritzt in alle Richtungen. Schluchzend hält die junge Frau ihren Fuß der Säge hin, die sogleich ihren Dienst tut, wie man auf der großen Leinwand verfolgen kann. Als nächstes folgt ihre Hand, dann kommt die zweite junge Frau an die Reihe. Und das nur, um diesem durchgeknallten Popstar mit der verfilzten Turmperücke zu gefallen. Diese Splatterszene hat volkstümliche Wurzeln, denn auch die bösen Stiefschwestern im «Aschenputtel» schnitten sich Ferse und Zehen ab, um ihre Prinzessinnenkarriere zu befördern.
Claudia Bauers Märchenadaptionen im Theater Dortmund sind nichts für schwache Nerven. Während die gewaltvollen Aspekte der Grimmschen Märchen bekanntlich im guten Ende kathartisch abgeführt werden, gibt es in diesem musikalischen Höllentrip keine Erlösung. Inspiriert ist der Abend von den Märchen-Transformationen der psychotischen amerikanischen Lyrikerin Anne Sexton und ihren wildwuchernden Versen – so jammert die Prinzessin im «Froschkönig», nachdem sie ihre Kugel verloren hat: «Dahin / Mein Mond / Mein Butterkalb / Mein Hinduhase / Meine gelbe Motte / Mein unschuldiger Globus / Mein Madonnenschoß.» Die Geschichten von bösen Stiefmüttern, verschlingenden Wölfen und ...
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Theater heute April 2014
Rubrik: Chronik Dortmund Theater, Seite 56
von Natalie Bloch
Franz Wille Wie wollen wir arbeiten? – Was für eine dumme Frage. Wir wollen alle selbstbestimmt arbeiten, nicht entfremdet arbeiten; wir wollen Zeit haben, um uns interessante Produktionen auszudenken; wir wollen auf die Proben gehen können; neue Formate entwickeln. Wie wir arbeiten wollen, wissen wir alle, nur leider haben sich Wunschbild und Realität im deutschen...
Wenn er einen ansah, unter seinen buschigen, kühn gewölbten Augenbrauen hindurch, fühlte man sich ertappt. Fritz Marquardt Aug in Auge standzuhalten, dem gar nicht großgewachsenen Mann, war nicht einfach. Weil man ihm ein reiches, so großes wie bescheidenes Leben mit all seinen Umbrüchen, Widersprüchen, Herausforderungen ansah – er versteckte es nicht, ihm war...
Gartenzwerge sind seit dem Barock belegt, spätestens ab 1900 wurden die Wichtel industriell gefertigt und gelten seither als Inbegriff des Spießbürgertums. Entsprechend ist es mehr Symbolik als historische Realität, dass der Kriegsheimkehrer Erich Freytag (Alexander Svoboda) sich in Oskar Roehlers autobiografischem Roman «Herkunft» seinen Teil des...
