Das grünhaarige Multitalent
Franz WilleImmer mehr Leute, die sich früher Dramaturg genannt hätten, heißen heute Kuratoren. Ist das ein reines Etikettenphänomen – heute hat sogar der Berliner Zoo einen «Bären-Kurator» –, oder was ist neu an dieser Arbeitsplatzbeschreibung?
Marion HirteSo wie ich das Festivalwesen verstehe und damit den neuen Begriff des Kurators, wäre wohl der Unterschied, dass der Kurator dort im Wesentlichen fertige Produktionen einkauft; zumindest ist er in der Regel weniger an der Entstehung der Inszenierungen beteiligt als der klassische Produktionsdramaturg.
Das liegt einerseits an der finanziellen Ausstattung von Festivals, die in den wenigsten Fällen eigenständig produzieren können – zumindest mit anderen Partnern koproduzieren müssen –, und dann kommen die eigentlichen Produktionsdramaturgen oft von anderen Häusern oder sind mit der Gruppe verbandelt, die man einlädt.
FWDas wäre der Kurator als reiner Festivalmacher, der in vielen Fällen aus dem Stadttheaterdramaturgen berufsbiographisch hervorgegangen ist. Beispielsweise Stefanie Carp bei den Wiener Festwochen oder die verstorbene Marie Zimmermann oder auch Matthias Lilienthal vom Berliner HAU; sie alle haben lange Jahre an ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Die Kunst der Kuratoren, Seite 22
von Franz Wille
Es waren vergleichsweise idyllische Zeiten, als Festivalmacher wie kleine James Cooks durch die Welt reisten und interessante Theaterkompagnien entdeckten, als wären es unbekannte Inselgruppen. Man packte eine New Yorker Off-Off-Produktion ins Körbchen, ließ sich vom Direktor eines argentinischen Hinterhoftheaters unter den Tisch saufen und steckte, vom Kollegen...
Eine «Wohlfühlkonferenz über allgemeine Zukunftsfragen» könnte es werden. Zuerst einmal geht es für die Dolmetschhamster in ihren schallisolierten Zellen allerdings darum, ob die Räuspertaste funktioniert und die Chinesen vielleicht doch noch kommen. Sie kommen dann natürlich nicht, die Chinesen, dafür erscheint einer der Minister und gibt dem Kollegen aus Spanien...
Und es existiert doch, das Nachspiel. Das Deutsche Theater ist sich nicht zu fein, Nis-Momme Stockmanns in Frankfurt uraufgeführtes Vater-Sohn-Drama «Die Hässlichen und die Brutalen» David Bösch anzuvertrauen. Noch tiefer gräbt Stephan Kimmig am DT, der Judith Herzbergs Stücke «Leas Hochzeit» (1982), «Heftgarn» (1995) und «Simon» (2002) zu einer jüdischen...
