Das Allround-Antidepressivum
Filmvergleiche stehen bei selbst ernannten Bühnenberatern ja hoch im Kurs. «Wenn das Theater eine Zukunft haben will», ließ unlängst zum Beispiel «Der Freitag» die Katze aus dem Sack, «muss es sich an den neuen TV-Serien orientieren.
» Und ein weithin als «Kulturbürgermeister» apostrophiertes Stadtoberhaupt, der Mannheimer Politiker Peter Kurz, verkündete auf einer Podiumsdiskussion zum Status quo der Bühnenkunst, dass er aus einer einzigen Folge der US-TV-Serie «Homeland» «mehr über unsere Wirklichkeit» erführe als aus einer kompletten Theatersaison – wobei er freilich selbstbewusst übersah, dass die Schuld daran nicht zwangsläufig beim Theater liegen muss.
Aber egal. Denn glücklicherweise gibt es gegen den trendy Bühnen- (selbst)zweifel ein noch trendigeres Gegenmittel: die Internationalen Filmfestspiele Berlin, ein bereits in geringen Dosen deutlich (phantom-) beschwerdelinderndes Allround-Antidepressivum für Theaterbranchler, das gleich auf den ersten Sichtungsmetern gewaltig das dramatische Außen-Image pusht. Anders als die Bühnenbranche selbst – und quasi im direkten Widerspruch zu deren oben zitierten Ratgebern –, scheint das Zelluloid-Business den darstellenden Live-Künsten ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Berlinale, Seite 46
von Christine Wahl
20 Jahre nach seinem Tod ist es um den Dramatiker Heiner Müller nicht allzu gut bestellt. Seine Stücke stehen nur noch selten auf dem Spielplan, einige der wichtigsten – «Germania Tod in Berlin» oder die sogenannten Produktionsstücke – tauchen quasi überhaupt nicht auf, und mit Dimiter Gotscheff ist vor zweieinhalb Jahren zudem der letzte Großinterpret Müllers...
Das Stück «Drei sind wir» von Wolfram Höll aus der aktuellen Ausgabe ist im Browser nicht darstellbar. Abonnenten, die das Stück digital lesen möchten, schicken bitte eine E-Mail an: kontakt@der-theaterverlag.de. Wir senden Ihnen dann das Stück als PDF-Dokument zu.
Peter Handke war und ist eine Zumutung für das Theater. Zuerst, in den frühen «Sprechstücken», trieb der Autor es systematisch an seine formalen Grenzen. Seit «Über die Dörfer» (1981) schreibt er dramatische Gedichte, in denen es zwar vergleichsweise konventionelle Dialoge und Figuren gibt, die auf ihre Art aber ähnlich weit weg vom Drama sind wie Elfriede...
