«Corinna ist ziemlich schonungslos»

Corinna Harfouch rehabilitiert Tschechows Arkadina – ein Porträt

Theater heute - Logo

Corinna Harfouch ist skeptisch. Es sei schon so viel über sie geschrieben worden, sagt sie am Telefon, als wir uns zum Interview verabreden wollen. Und sie langweile sich immer über sich selbst, wenn sie alles wieder und wieder erzähle. Es klingt weder zickig noch kokett: Sondern nach einem reflektierten, nachdenklichen Menschen, der schlichtweg keine Lust auf Anekdotenschauläufe hat und wirklich ernsthaft zweifelt, ob er sich – und dem potenziellen Gesprächspartner – seinen Zweifel zumuten möchte.

 

«Ich habe das einfach noch nicht gelernt und werde es wahrschein­lich niemals lernen», erklärt sie später beim Treffen, «Interviews als Interviews zu betrachten.» Eher komme man bei solchen Terminen ja miteinander ins Gespräch. Wenn es schlecht läuft, «fühlt man sich hinterher – und das ist ein ungeheuer deprimierendes Gefühl – wie ein ausgegossener Krug». Im Rahmen ihrer Filmarbeit, wo Inter­viewtermine vertraglich festgeschrieben sind, hat sie sich das Recht erkämpft, weder in Talkshows sitzen noch für die Yellow Press zur Verfügung stehen zu müssen. «Mich würde das einfach ernsthaft verletzen, in deren Sprache etwas über mich zu lesen.»

 

Sprache ist ein zentraler Punkt, wenn Corinna ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2009
Rubrik: Porträt, Seite 4
von Christine Wahl

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zum Tod von Harold Pinter

Als Harold Pinter im Dezember 2005 den Nobelpreis erhielt, war er keiner der üblichen Verdächtigen, eher ein klassischer Verlegenheitskandidat: Die Ehrung kam mindestens 25 Jahre zu spät, aber sie traf einen, der immer noch bekannt genug war, um allgemein akzeptiert zu werden. Fast wäre sie für alle Zeit zu spät gekommen: Schon damals war Pinter so krank, dass er...

Der Künstler als Seiltänzer

Erinnerung in Gegenwart zurückzuverwandeln – davon erzählte Jonke in seinem Theaterstück «Gegenwart der Erinnerung» (1995). Dass das niemals gelingen kann, weil es die Zeit und ihre Risse, die Erinnerung und das Vergessen, ja letztlich sogar Leben und Tod aufheben würde, wusste auch Jonke, und dennoch trieb er sein Spiel mit dieser Möglichkeit. Nicht aber, um sich...

Willkommen im grossen Knast

Thomas Raufeisen, Jahrgang 1962, wirkt immer noch wie ein großer Junge. Man sieht ihm nicht an, dass die deutsch-deutsche Geschichte willkürlich und brutal in seiner Biografie gewütet hat. Mit Nutella und Lego ist er bei Hannover aufgewachsen, bis die Familie 1978 zurück in die DDR ziehen muss, weil sein Vater, ein «Kundschafter des Friedens», im Westen enttarnt zu...