Bühnen bilden!
Es ist widersprüchlich, was auf einen einprasselt, wenn man sich heute für Bühnen- und Kostümbild als Beruf entscheidet: Einerseits ist offensichtlich, dass das Visuelle einen enormen Bedeutungsschub in der gesellschaftlichen Wahrnehmung erfährt. Bilder, und damit auch die Bilder jeder Inszenierung, sind in der Foto-, Film und Symbolflut der Massenmedien, online wie offline, zu einer immer wichtigeren Ebene der Wahrnehmung und Kommunikation geworden.
Iconic turn nennt der Kunsthistoriker Gottfried Boehm diese Macht der Bilder, vor der nun selbst die gute alte «Tagesschau» kapituliert hat: Im neuen ARD-Studio sind überlebensgroße Fotos und Filmeinspieler die Hauptakteure, die Sprecherin und ihr Text wirken beinahe marginal. Auch ins Theater kommt ein Publikum, das so bilderfixiert ist wie nie zuvor, und das steigert die Relevanz von Bühne und Kostüm – ob als Bedeutungsträger oder Bedeutungsverweigerer. Ideale Zeiten also für diesen Beruf?
Fast ideal, wären nicht sowohl das Stadttheatersystem als auch der Beruf selbst unter massivem Druck. Ein Beispiel: 2013 sollten Bühnen- und Kostümbildner plötzlich, zumindest aus Sicht des Fiskus, keine «künstlerische Autorenschaft» mehr ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Ausbildung, Seite 34
von Cornelia Fiedler
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Genet wusste sehr genau zu unterscheiden. Er sei «ein Mann der Revolte», gab er Hubert Fichte 1976, zehn Jahre vor seinem Tod, zu Protokoll, keineswegs der Revolution. «Wenn eine wirkliche Revolution stattfände, könnte ich nicht dagegen sein. (...) Ich möchte, dass die Welt sich nicht verändert, damit ich mir erlauben kann, gegen die Welt zu sein.» Er hätte auch...
Von einer Projektionswand sieht uns ein Gesicht an. Ein kleiner Chor singt sanft und klagend über ein zerstörtes Land, das seinen Bewohnern zum Grab wurde. So leise, so traurig beginnt Brett Baileys afrikanischer «Macbeth», der die Geschichte des schottischen Königs in die soziale Realität des heutigen Ostkongos verlegt, eines von Kriegen rivalisierender Warlords,...
