Bücher: Die Anti-Aristotelikerin
Eine «Kriegsmaschine gegen die Institution Theater», das ist für Florence Dupont die «Poetik» des Aristoteles. Der Philosoph, ein Fremder in Athen, der nie bei den Dionysien dabei war, sauge mit ihr der «lebendige(n) Kunst» und «volkstümliche(n) Praxis» das Blut aus. Denn Theater werde darin auf die «Darstellung einer Geschichte» reduziert, auf die Funktion der «Mimesis».
Dagegen war es, wie zumindest die Theateranthropologie lehrt, ein Ereignis, ein Fest der Eintracht, von Wettkampf, Musik, Chören, der Idee des «Kairos», des günstigen Augenblicks, und des «prepon», des Passenden, nicht ablösbar. Die Spiele waren Teil eines Rituals der Rückkehr der jungen Männer in die Stadt. Ihre Eingliederung ging dabei in einer Art von Karneval einher mit der Alteritätserfahrung der Ausgeschlossenen – der Frauen, Sklaven, Tiere, über die sich die athenischen Bürger erhoben. Von alledem sehe Aristoteles ab, mache aus dem Theater einen objektivierbaren Text, mit desaströsen Folgen.
Nun gehört es zu den Gemeinplätzen der Theaterwissenschaft, dass die Geringschätzung der Aufführung – der «Opsis» – in der «Poetik» eine der Quellen der abendländischen Theaterfeindschaft wie der noch immer ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Nikolaus Müller-Schöll
Franz Wille «Disko» ist Ihr viertes Stück nach «Und dann» (2013), «Vom Verschwinden vom Vater» (2015) und «Drei sind wir» (2016). Im Gegensatz zu Autor*innen-Kollegen, die zum Teil zwei oder drei Stücke in der Spielzeit verfassen, sind Sie da sehr zurückhaltend. Seit der letzten Uraufführung sind zwei Jahre vergangen. Denken Sie ein, zwei Jahre nach, bevor es an...
Roberto Ciulli «Clowns unter Tage» Vögel zwitschern, Mücken sirren: Über der Erde ist die Natur noch intakt in den Ruhrgebiets-Auen. Mit Stühlen und Sonnenschirmen kommen nach und nach die weißgeschminkten Gestalten als elegante Sommerfrischler herein, auf dem Weg zur trügerischen Sonntagsfeier von Wollust und Faulheit. Albert Bork als Bobo liegt in der Sonne und...
Es gibt derzeit kaum ein Stück, das in derart simplen Lehren aufzugehen scheint wie «Macbeth» von Shakespeare. «Blut will Blut», wie es in der verdunkelten Fassung von Heiner Müller (aus dem Jahr 1972) heißt. Oder auch: «Himmel und Hölle haben einen Rachen / Mein Tod wird Euch die Welt nicht besser machen.» Allerorten wird gerade die Öffnung dieses Höllenrachens...
