Braun verbrannt
Mit seinen langen, zotteligen Haaren sieht der junge Mann (Philipp Grimm), der sich da am Esstisch des hell und schlicht ausgestatteten Männerwohnheims als Hitler vorstellt, beinah aus wie eine Jesus-Karikatur. Oder wie ein junger Student auf dem Selbstfindungstrip. Ein schwer verunsicherter allerdings, einer, der sich aus einem innigen Verhältnis mit der Mutter und einem schweren Konflikt mit dem Vater in die Kunst geflüchtet hat. Seine Mappe mit kitschigen Aquarellen im Zwielicht trägt er immer bei sich, sie ist das einzige, an das er sich klammert.
Schwer zu glauben, dass dieser anstregende Typ, der so verspannt ist, dass er sich immer wieder zum Kacken mitten auf die Bühne hockt, ausgerechnet in dem unaufgeregten, im Schlabberlook agierenden Juden Schlomo (Hans-Werner Leupelt) einen väterlichen Freund und Unterstützer findet. Und umso tragischer, dass es erst dieser gutmütige Kerl ist, der Hitler die Langhaarmähne und den ausufernden Bart abrasiert und ihn mit angegelten Haaren und dem nur allzu bekannten Bärtchen für die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule tauglich macht.
Und zum ersten Mal den diabolischen Hass seines Schützlings auf sich zieht, als dieser nach der ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Chronik: Braunschweig, Seite 65
von Alexander Kohlmann
Als Matthias Lilienthal im Sommer 2012 mit einem launigen Theater-Parcours auf dem Tempelhofer Feld und einer dramatischen 24-Stunden-Bustour durch alte Westberliner Architektur-(Sünden-)Highlights seinen Ausstand als Intendant des Kreuzberger Theaterkombinats HAU gab, klang es in der Hauptstadtpresse ein bisschen so, als könne der Freie-Szene-Hort nach ihm...
Der erste Akt spielt vor einem mondänen Glitzervorhang. Der erste Eindruck aber täuscht: Hier wird keine Revueshow, sondern Ibsen gespielt. Wenn sich der Vorhang öffnet, wird dahinter ein recht unglamouröser Raum sichtbar. Auf die nackte, von Neonröhren beleuchtete Bühne hat Alexander Müller-Elmau nur ein paar Versatzstücke – einen Gartentisch, einen Eiskasten –...
Please Recognize the Independence of Kosova» steht auf dem weißen Sportflugzeug. Seit 2009 fliegt der kosovo-albanische Texaner James Berisha in seiner Cessna um die ganze Welt. In patriotischer Mission wirbt er im Luftraum über Ägypten, Honduras oder Chile für die internationale Anerkennung der kosovarischen Unabhängigkeitserklärung vom 17. Februar 2008, mit der...
