Bochum: Handlanger des Neoliberalismus
Diese Drecksjobs haben Hochkonjunktur: Stefano, ein arbeitsloser Fischer, ist auf Lampedusa angestellt, die Leichen der angeschwemmten Flüchtlinge zu entsorgen. Denise, Halb-Chinesin mit verarmter Mutter, finanziert ihr Politik-Studium in einer ärmlichen Gegend Englands als Eintreiberin für ein Inkasso-Unternehmen, nur einen Fingerbreit vom möglichen eigenen Absturz entfernt.
Der britische Autor Anders Lustgarten stellt sie in seinem 27 Seiten schmalen Stück mit dem Namen «Lampedusa» nebeneinander: zwei hart um ihren Aufstieg kämpfende europäische Figuren des Prekariats, zwangsweise zu Handlangern eines neoliberalen Systems gemacht. Die beiden begegnen sich nie, und dennoch gibt es Parallelen: Beide befreunden sich mit Menschen, zu deren Abwicklung sie eigentlich eingesetzt sind. Stefano mit einem Flüchtling, dessen Frau er dann noch aus dem Meer rettet, Denise mit einer verschuldeten, alleinerziehenden portugiesischen Mutter. Beide entwickeln darin Güte, Stärke und Mitgefühl – und überwinden dadurch ihre Einsamkeit und moralische Armseligkeit zugleich. So weit die frohe, utopische und geradezu märchenhafte Botschaft des Stücks, das nebenbei noch mit dem brutal-kapitalistischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2016
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Dorothea Marcus
Christoph Funke, 1934 geboren, in Chemnitz aufgewachsen, wurde nach einem Studium der Germanistik bei Hans Mayer in Leipzig bald einer der bestimmenden Theaterkritiker der DDR. Von 1956 bis zur Schließung 1991 war er Kritiker, später auch leitender Kulturredakteur der Zeitung «Der Morgen» und unter Theaterleuten als integerer publizistischer Begleiter hoch...
Orgelnde Monologe
In Frank Castorfs Dostojewski-Inszenierung «Die Brüder Karamasow» übertreffen sich die exzentrischen Glamrocksolisten
Noch wagen wir uns kaum auszumalen, was in der nächsten Spielzeit alles an Castorf- und Volksbühnenabschiedsfeuerwerken gezündet wird. Zum Ende der letzten gab es bereits ein gewaltiges zu bewundern: Dostojewskis «Die Brüder...
Wenn Elfriede Jelinek über die Attentate auf Charlie Hebdo schreibt, erhebt darin auch
der «Gotteskrieger» seine Stimme: «Wut», der Stückabdruck!
Wie tickt der deutsche Osten? Eine Theaterreise in die Tiefe der Region nach Jena, Chemnitz,
Rudolstadt und Gera
2015 wurde Gala Othero Winter von Samuel
Finzi der Berliner Kerr-Preis verliehen – überraschend, aber...
