Bildet Banden!
Die Debatte über das Ensembletheater in Deutschland wird zur Zeit wieder aggressiv und nervös geführt. Zugegebenermaßen fällt es schwer, der German-Angst-Fraktion auf Premierenfeiern zu entkommen und dennoch nicht der neoliberal orientierten Antisubventionslogik zu folgen. Gibt es einen Weg aus dem Dilemma?
Ensembles sind zunächst Zusammenschlüsse von Menschen zum Zwecke einer künstlerischen Arbeit.
So gesehen ist das Wort «Ensembletheater» eine 98-Prozent-Tautologie: Fast jede Theaterarbeit ist eine Ensembleleistung, denn auch wenn nur ein Schauspieler auf der Bühne steht, braucht es eine, die das Licht anmacht. In Deutschland wurden nach einem zunächst feudalen und nachträglich demokratisierten Prinzip die Ensembles an Theaterhäuser gebunden. Die daraus resultierende Bindung von kulturellen Räumen an die Funktion politischer Repräsentation hat das deutsche Stadttheater nie ganz verlassen. Die Theater wurden – stärker vielleicht als anderswo – zu politischen Konfliktorten, sie sind es schönstenfalls auch heute noch. Die öffentliche Subventionierung erzeugt immer ein Spannungsfeld zwischen Abhängigkeit von der Politik und künstlerischem Freiraum, der politisch heikel ist und damit ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 66
von Shermin Langhoff / Jens Hillje
Ich bin in einer kleinen Stadt mit einem kleinen Stadttheater aufgewachsen und wollte unbedingt Schauspielerin werden, denn im Theater habe ich eben Schauspieler gesehen. Was Regisseure, Dramaturgen oder Intendanten sind, habe ich erst sehr viel später erfahren. Das Gesicht des Theaters waren für mich immer die Schauspieler. So ist es bis heute. Was wäre mein...
... zieht sich Wolfram Lotz’ Kolonialismus-Groteske «Die lächerliche Finsternis» durch die diesjährige Kritikerumfrage. Nicht nur waren sich mehr Kritiker als jemals zuvor, nämlich 27, einig, dass dies das deutschsprachige Stück des Jahres ist (zweitplatziert folgt mit 4 Stimmen Ewald Palmetshofers «die unverheirate»), 8 Kollegen machten auch Dusan David Parizeks...
Ein ideales Ensemble wäre wie die perfekte Ehe: Ohne Eitelkeiten und übertriebene Ansprüche, hingebungsvoll und mit Leidenschaft bei der Sache, loyal und fürsorglich, vertraut und freundschaftlich, bis dass der Tod sie scheidet. Es wäre ein Ensemble, das keine Drehtage einfordert oder Urlaubsscheine einreicht, das sich nicht über Doppelvorstellungen oder...
