Berlin: Theatrale Dienstleistung

René Pollesch «Service/No Service», Markus Öhrn «Wir sind die Guten»

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Die Protagonistin im Superman-Outfit laboriert an einem «Divaanfall». Soeben hat sie zum zwölften Mal mitten in ihrem Elektra-Monolog die Bühne verlassen. Klarer Fall von «no service» also: «Ich bin eben nicht immer in Geberlaune», erschließt die Diven-Darstellerin Kathrin Angerer dem Theater neue Verweigerungsnöldimensionen.

René Polleschs Berliner Volksbühnen-Abend «Service/No Service» – ein vergleichsweise epischer Neunzigminüter – tritt also wider den Dienstleistungs-Status-quo der gemeinen Bühnenkunst an und lässt die Zuschauer in Bert Neumanns letztem Theaterraum betont kunden­un­freundlich auf dem blanken Boden hocken. Die Sitzsäcke, auf denen man sich in der spielzeitübergreifend vollasphaltierten Volksbühne bei Frank Castorfs «Karamasow»-Marathon noch lümmeln durfte, sind eliminiert – was dem Thespiskarren, auf dem sich der Schauspieler Daniel Zillmann als Regisseurs-Karikatur übers Szenario schieben lässt, immerhin größere Radien ermöglicht.

Apropos Antiken-Karre: Die Theaterhistorie fungiert an diesem Abend quasi als Dauer-Sidekick; allerdings eher im (gemessen am «No Service»-Credo durchaus publikumsfreundlichen) Entertainment- und Behauptungsmodus als in jenem ...

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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Christine Wahl

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