Berlin: Im irdisch’ Jammerspital
Einmal wird es an diesem Abend richtig komisch: Da schiebt sich Kay Bartholomäus Schulze als Bruder des eingebildeten Kranken in den klinikweiß gekachelten Bilderrahmen, den Bühnenbildner Olaf Altmann zentral über den Schaubühnenbrettern schweben lässt. Ein Embryo von einem Mann ist das, glatzköpfig, gesichtslos, ein Arm unter der mumienhaften Ganzkörperverklebung versteckt – die groteske Zurschaustellung dessen, was dem eingebildeten Kranken droht, sollte er sich auf jene Radikalkur einlassen, die ihm sein Hausmädchen Toinette in ärztlicher Verkleidung empfiehlt.
Wie viele Nächte muss Regisseur Michael Thalheimer Survival-Horrorgames à la «Resident Evil» gespielt haben für so eine herrliche Zombie-Schreckschrulligkeit?
Bei Molière ist dieser Bruder des begüterten Herrn Argan die Stimme der Vernunft, mit deren Hilfe der irr(ig)e Held von seiner aggressiven Hypochondrie geheilt wird – oder zumindest davon abgehalten wird, seine Tochter an den Sohn des erstbesten Quacksalbers zu verheiraten. Dass Thalheimer die Verhältnisse auf den bandagierten Kopf stellt und den Bruder nunmehr zum sinistren Schreckgespenst umdeutet, hat durchaus Methode. «Ist das erbärmlich, ich will nicht ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Christian Rakow
Franz Wille Ayad Akhtar, Ihre Stücke und Ihr Roman «American Dervish» – die Coming-of-Age-Geschichte eines wohlbehüteten pakistanischstämmigen Jungen im Milwaukee der 1980er Jahre – kreisen um kulturelle Identität. In einem amerikanischen Fernsehinterview haben Sie sich als einen «kulturellen Muslim» bezeichnet. Was ist das?
Ayad Akhtar Viele meiner jüdischen...
Ja, der Islam gehört zu Deutschland, gehört zum Westen. Die etwas weitergehende These müsste lauten: Der Islam gehört sogar so eindeutig zum Westen, dass er als Subkultur nahezu ununterscheidbar geworden ist zum Mainstream. Karin Beier zeigt in ihrer Erstaufführungsinszenierung von Ayad Akhtars «The Who and the What» am Hamburger Schauspielhaus eine...
Premieren im März
Aachen, Grenzlandtheater
13. Zeller, Der Vater
R. Rüdiger Pape
Aachen, Theater
30. Soleimanpour, Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen (Theaterexperiment)
R. Ensemble
31. Capote, Frühstück bei Tiffany
R. Jan Langenheim
Aalen, Theater der Stadt
25. Lessing, Nathan der Weise
R. Tina Brüggemann
Altenburg/Gera, TPT
9. McNally, Meisterklasse
R. Kay Kuntze (Altenburg)
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