Berlin: Halbe Wahrheit
«Don’t be evil» war einmal das Motto der Unternehmensgründer von Google: Sei nicht wie die «bösen» Internet-Konzerne, wisse um Richtig und Falsch, verzichte auf Top-Renditen, so die Richtung. Der Slogan entpuppte sich natürlich als frommer Wunsch. Denn ein bisschen böse, ein bisschen blind für Fake und Hate darf wohl sein, wenn’s nur zahlungskräftig vorgebracht wird.
Die Euphorie der Gründerjahre ist dahin, das Motto längst verabschiedet. Und Kay Voges’ Volksbühnenabend «Don’t be evil» wirkt wie der passende Abgesang.
Der scheidende Dortmunder Schauspielintendant und baldige Wiener Volkstheaterdirektor hat sich wie kaum jemand im Stadttheaterbereich um die Adaption von Netzphänomenen auf der Bühne verdient gemacht. Aber so pessimistisch wie an diesem Abend erlebte man ihn noch nicht. In einem Bühnenkubus (von Michael Sieberock-Serafimowitsch), der mit Videounterstützung von Voxi Bärenklau und Robi Voigt zum multifunktionalen Split-Screen hochgetunt ist, baut Voges den Newsfeed sozialer Medien nach.
Aus parallelen Videokacheln treten Frustrierte mit Anti-Greta-Thunberg-Rants, Islamhasser aus der amerikanischen Alt-Right-Szene und dergleichen freudloses Volk neben Karikaturen von ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Christian Rakow
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