Berlin: Das deutsche Haus
Eigentlich war für diesen Abend eine echte Gemeinheit geplant: Zur solidarischen Frauenaktion sollten Zuschauerinnen auf die Bühne gebeten werden, um ohne Ansage und händchenhaltend Teil eines Reenactments des perfiden #125- Dezibel-Videos zu werden, in dem hübsche, junge, weiße Frauen in #MeToo-Pose darum flehen, die Grenzen dichtzumachen, damit sie endlich nicht mehr vergewaltigt werden.
Die Szene ist offenbar bei der Generalprobe gestrichen worden, die Schauspielerinnen teilen das in ihrem Gorki-Bashing zu Beginn als weiteren Beleg des völlig unzulänglichen Repräsentationsverhältnisses an ihrem Theater mit. Das funktioniere nicht mal bei der Frauengleichstellung, geschweige denn bei der Widerspiegelung der faktischen Bevölkerungsanteile! Da gibt es in Berlin nämlich nur 27,7 Prozent Migrationshintergrund, am Gorki sind es 75 Prozent! Deshalb kann der Quoten-Ossi Till Wonka mit genau demselben Recht beleidigt sein wie der «Quoten-Neger» Falilou Seck, den man doch endlich auch mal als den Enkel eines Nazi-Großvaters wahrnehmen könnte, der er nämlich auch ist.
Ja, es geht ziemlich durcheinander mit den Zuschreibungen auf dieser Erde, und mit rechts und links, PC und AfD ist es ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Barbara Burckhardt
«Wir fallen uns selber zur Last und verstricken uns in uns selbst und ersticken daran fast», heißt es einmal in dem Langgedicht «Brandneue Klassiker» von Kate Tempest. Und das könnte auch das Motto für ihr Theaterstück «Wasted» sein: Drei junge Menschen, die nichts mit sich selber, ihren Körpern und Gefühlen, ihren Sehnsüchten und Verfehlungen anzufangen wissen,...
Im Jahr 2014, unmittelbar nach der Annexion der Krim, wurde ich zu einer Konferenz nach Polen eingeladen. Die polnischen Intellektuellen und Künstler waren von den Krim-Ereignissen so schockiert, dass sie auf einen Russland-Boykott drängten: kein Besuch von russischen Festivals und Konferenzen mehr, keine Gastspiele in Russland. Ich habe diese Idee damals heftig...
Eines der hartnäckigsten Gerüchte über Isländer lautet, dass man es hier mit einem irgendwie mythendurchtränkten Menschenschlag zu tun habe. Jede neu zu bauende Straße müsse von einem Elfenexperten abgenommen werden, heißt es, und der müsse die Naturgeister erst einmal besänftigen, damit diese das Neubauprojekt akzeptieren. Die isländische Tourismuswirtschaft lebt...
