Berlin: Affekte, Effekte

Racine «Phädra»

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Am Anfang ist das Wort, das Wort hat große Buchstaben, und es heißt: AFFEKT. Gefühlte fünf Minuten lang rauschen Spinoza, Deleuze et altera in Druckbuchstaben übers weiße Feld und klären auf, was unter Affekt zu verstehen sei: das Unkontrollierbare, das den Körper unmittelbar ergreift, Furcht, Ekel, Liebe, Eifersucht ...

Man darf diese akademische Einführung in Racines alle Regeln des klassischen Dramas musterhaft erfüllende Tragödie der «Phädra» sicher als Legitimationsversuch lesen: Warum man das Drama einer reiferen Frau, die erst vor verbotener Liebe zu ihrem jungen Stiefsohn und dann vor Eifersucht rast, in Zeiten, da nichts mehr verboten ist und in Frankreich ein 39-Jähriger mit 25 Jahre älterer Ehefrau Präsident wurde, eigentlich noch spielen soll? Weil es in affektgesteuerten Zeiten voller Hassprediger, Präsidentenclowns und Emoticons etwas erzählt über die unheilvolle Wirkung der Affekte!

Das ist zwar um mehrere Ecken gedacht, wird aber in den kommenden zwei Stunden zur alles steuernden Szenenanweisung im spitzwinkligen weißen Dreieck, das Katja Hass Stephan Kimmig auf die Bühne des Großen Hauses gestellt hat. Ganz treue Exekutoren des Textes, ganz ohne Musik, Video, ...

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Theater heute Juli 2017
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Barbara Burckhardt

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