Bemerkenswerter Quark
Welch herrlicher Zeitgeist-Quark aber auch! Reden wir nicht lang rum: Peter Steins enthemmte Schiller-Liebedienerei am «Wallenstein» war für mich die schlimmste Theatertortur seit langem; ein monströser, maßloser Theaterschreckensstreich von (die Pausen mitgerechnet) zehnstündiger Dauer. Der Großschauspieler und Titelrollenausfüller Klaus Maria Brandauer trumpfte darin als diabolischer, grotesker Poltergeist und Zwillingsbruder des Piratenkapitäns Jack Sparrow auf: zum Schreien gruselig, zum Quietschen eitel, ein einsamer, dauerquirliger Superburschi.
Und rundherum Stunde auf Stunde Rumsteh- und Textaufsagetheater aus Großväterchens Mottenkiste. Was für ein Irrsinn!
Aber was für ein herrlicher, prächtig zur Zeit passender Quark. Künftige Kulturhistoriker werden sich die Köpfe darüber zerbrechen, was den lange kaum gespielten «Wallenstein» im Theaterjahr 2007 so aufregend machte auf deutschsprachigen Bühnen. Die Idee eines despotenfreien Europas, die darin matt anklingt? Die katastrophal endende Männerbündelei? Das große Kriegspalaver? Ist das Drama wirklich, wie der in Wien am «Wallenstein» sich abrackernde Thomas Langhoff (aber nur über Teil II und III) behauptete, «das beste Stück ...
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