Begrüßenswerte Turbulenzen
In der Royal-Court-Bar wächst gegen alle Schwerkraft Rasen an der Wand. Steht plötzlich eine improvisiert zusammengeklopfte Mini-Bühne mit Fähnchen zwischen den Tischen und dem Edel-Beton. Es gehen E-Mails durch die Networks junger Londoner Theatermacher, dass noch ein paar Lücken im «Open Court»-Programm offen seien, man solle sich doch mit Ideen melden.
Im Royal Court upstairs kauft der Zuschauer die Katze im Sack mit einem täglich wechselnden «Surprise Theatre», auf der größeren Bühne downstairs werfen sich vier Regisseure mit einem 14-köpfigen Ad-hoc-Ensemble in einen Probenmarathon: sechs neue Stücke, jede Woche eine Premiere. Abends spielt man, tagsüber probt man das nächste.
Die Royal-Court-Balcony-Bar lädt spät abends zu einer Open Mic Night mit Comedy, Musik und hier und da auch einem Stück. Upstairs laufen unter «The Big Idea» frisch geschriebene internationale Einakter: Dramatiker aus Griechenland, Portugal, Italien, Irland, Spanien schildern zusammen mit englischen Partner-Autoren, wie sie gerade das Europa der Sparmaßnahmen erleben. Am Rande morgendliche Lesungen in intimer Runde mit «Playwrights at Your Table», Kid’s Writing Workshops, eine von Anwohnern geschriebene ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2013
Rubrik: Ausland, Seite 44
von Patricia Benecke
Das Wichtigste zu Beginn: Sie dreht sich! Die Stuttgarter Drehbühne funktioniert. Sie war in den letzten drei Jahren das vermutlich größte Hassobjekt der Bauplaner, Haustechniker und Theaterverantwortlichen in Stuttgart. Und auch Landes- und Stadtpolitiker haben das Hightech-Monster sicher regelmäßig verflucht, wenn sie die Peinlichkeit der verpatzten...
Erster Akt: Die ungehaltene Rede
Die Rede, die vom Jubiläumskongress des Burgtheaters im Oktober bleiben wird, wurde gar nicht gehalten. In einer Pause enterte ein Mann in der dunkelblauen Uniform eines Burgtheaterbilleteurs und hob zu einer Rede an, die umgehend abgewürgt wurde. Der Mann, der sich als Christian Diaz vorstellte, konnte gerade noch seine...
Mit Dimiter Gotscheff ließ sich besser schweigen als reden. Als hätte er seinen Augen mehr getraut als Worten. Wenn Gotscheff zu reden begann, rau und warm, war es stockend, tastend. Ein Kampf, etwas über die Lippen zu bringen. Mehr Skepsis als Phlegma. Keine Floskeln und griffigen Formeln, keine Manöver. Keiner unserer Theater-Muntermacher, Alleskönner und...
