Basel: Lose Zungen
Entspannt bescheint die Abendsonne die Arena von Augusta Raurica. Der alte Stein strahlt warm zurück. Der Himmel zeigt sein sauberstes Blau, die Baumreihe auf dem Römertheaterhügel nahe Basel ein kraftvolles Grün, das Publikum auf der spiegelverkehrt das antike Zuschauerhalbrund überblickenden Tribüne zeigt Heiterkeit. Da ist es gut, dass ein weher Gitarrensong die Luft mit Melancholie bestäubt, wir sitzen hier ja nicht im Sommernachtstraum – obschon bei Shakespeare und Kulisse schlichtweg traumhaft.
In Illyrien sind wir, gespielt wird «Was ihr wollt», Saisonauftakt mit dem Theater Basel, ungewohnt früh, ungewohnt openair. Da naht auch schon Herzog Orsino, er schleift einen pompösen, wenn auch schlaffen Schottenkaro-Ballon mit sich, ein merkwürdiges Machtinsignium, das stumm in die Welt hinausschreit: Seht her, der Herzog mag ein wenig aufgeblasen wirken, die Luft ist gleichwohl raus bei diesem edlen, eitlen Mann. Entsprechend goldschwarz färbt Thiemo Strutzenberger seine Launen.
Doch wir greifen vor. Einstweilen taumelt Viola auf die Bretter, von einem grünblauen Stoffmeer umwogt. Geschickt schlüpft Lisa Stiegler aus dem Kleid, strandet praktisch nackt auf Illyriens Fels, genau im ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Stephan Reuter
Personen
Elisabeth Lear Industriemagnatin in fortgeschrittenem Alter, Erbin und alleinige Besitzerin des ehemaligen Baukonzerns Lear A, jetzt: des internationalen Mischkonzerns Lear Inc.
Robert Kent seit Jahrzehnten Lears rechte Hand bei allen Geschäften
Gregory Lears ältester Sohn
Hendrik zweitältester Sohn
Cornal jüngster Sohn
Connie Gregorys Frau
Alma Hendriks...
Natürlich ist ein Gespräch über Grenzen ein Gespräch über Politik, zumal in Zeiten, in denen sich die Festung Europa abschottet. Und wenn András Siebold, Leiter des Internationalen Sommerfestivals Hamburg, seine kuratorische Aufgabe als das Einreißen von Grenzen definiert, dann darf man das als politisches Statement lesen, auch wenn es gar nicht primär um...
Nach ungefähr der Hälfte von «Die Fremden»: endlich Wow! Johan Simons’ Inszenierung einer Bühnenfassung von Kamel Daouds Camus-Roman «Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung» dauerte schon eine knappe Stunde, und fünf Darsteller laufen um ein Orchester auf einer gewaltig ausgedehnten, an eine Vulkaninsel erinnernde, mit tiefschwarzen Kohleresten bedeckten...
