Basel: Drei Meilen hinter Weihnachten
Zwei Stücke hat Philipp Löhle bereits geschrieben, in denen er uns die normative Sozialisation eines Sohnes und einer Tochter vor Augen führte. In «Du (Normen)» und «Du (Norma)» war man Zeuge artspezifischer Lebensläufe und bis zur Kenntlichkeit entstellter Familienstrukturen. Um Familie geht es auch jetzt. Wir sehen: einen Vater, eine Mutter, den Sohn, die Tochter, einen drogenliberalen Hippieonkel. Da angeführt wird, es handele sich um ein «autobiografisches Stück», sollte man davon ausgehen, dass der Sohn im Mittelpunkt steht. So ist es dann auch.
Lange Zeit genießt der Filius die Annehmlichkeiten einer aufblühenden Wirtschaftswundergesellschaft: Häuschen, Pool, zweimal Urlaub, Skateboard. Dann stirbt die Oma und geht den finalen Weg unter Zuhilfenahme sterbenserleichternder Maßnahmen. Zu diesem Zeitpunkt ist Löhles Schlaraffia wie weiland bei Hans Sachs noch eine fette Wiese für faule Genießer, «drei Meilen hinter Weihnachten». Alles könnte so weitergehen, plötzlich aber hat der Sohn ein Erweckungserlebnis.
In einer Vollmondnacht fällt ein «schwarz gekleideter Mann mitsamt einem Teil der Wand ins Zimmer» und öffnet dem Filius die Augen. Der tumbe Sohn mutiert zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2017
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Jürgen Berger
Wer wissen will, wie es um das deutsch-türkische Verhältnis steht – sowohl unter Deutschen und Türken wie unter Deutschtürken – der ist in der Kölner Keupstraße am richtigen Ort. Gleich nebenan, im Depot des Kölner Schauspiels, hat Nuran David Calis ein Sequel seiner szenischen Interkultur-Recherchen «Die Lücke» (2014) und «Glaubenskämpfer» (2016) aufgelegt, das...
In Hamburg war eine Neuausrichtung von Theater der Welt zu erleben, in Wien eine Neuorientierung der Wiener Festwochen. Florian Malzacher kuratiert ein letztes Mal Impulse, und die Theaterformen melden sich in diesem Jahr aus Hannover: Festivalzeit!
Maria Milisavljevics «Beben» ist ein doppelbödiges Spiel mit verschiedenen Realitäten. Beziehungsweise der Frage,...
Als Tankred Dorst schon fast 90 Jahre alt war, 2014, sagte er ganz nebenbei Abschließendes zu jedem überflüssigen Streit über Schauspieltheater oder Performance: «Als ich anfing, Stücke zu schreiben, zu Beginn der 60er Jahre, waren die Grenzen der Darstellung viel enger. Wenn ich mich dagegen heute umschaue, dann sehe ich eine hohe Qualität in einem freien Umgang,...
