Außer Kontrolle

Der Iffland-Nachlass ist ein «Kulturgut von nationalem Rang». Das wusste auch der Archiv-Mitarbeiter Hugo Fetting. Er verkaufte für 50.000 Euro zahlreiche Bände an einen österreichischen Antiquar, der sie nun dem Land Berlin für 450.000 Euro anbietet. Ein Archiv-Krimi

Theater heute - Logo

Anfang dieses Jahres sorgte der erneute Fall einer dubiosen Kunstsammlung für Aufregung in der bundesdeutschen Medienlandschaft. Auch wenn der normale Leser mit dem Haufen Papier, eingebunden in 34 altmodische Foliobände, wenig anzufangen wusste – die Fachwelt in Literaturarchiven, Theatersammlungen und Bibliotheken war bei Nennung des Namens hellhörig geworden: August Wilhelm Iffland.

Im Katalog für die vom 23. bis 25.

Januar in Ludwigsburg stattfindende «Antiquaria», eine Verkaufsmesse für seltene Bücher, Autografen und Bildwerke, war im Angebot eines österreichischen Antiquariats das bislang als verschollen geltende Korrespondenz-Archiv Ifflands aufgetaucht. Aufmerksame Leser schlugen daraufhin Alarm. Die Berliner Senats­kulturverwaltung reagierte und erhob mit dem Argument, dass es sich um «ein Kulturgut von nationalem Rang» handele, Einspruch gegen einen Verkauf und verlangte die Sicherungsverwahrung bis auf Weiteres. Berlin sah sich zu dieser ungewöhnlichen Aktion berechtigt, da es hier um eine Materialsammlung gehe, an der ein öffentliches Interesse seitens der Stadt bestehe.

Schauspieler, Modeschriftsteller, Nationaltheater-Begründer

August Wilhelm Iffland, Zeitgenosse ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2014
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 50
von Ruth Freydank

Weitere Beiträge
Heillose Individualisten

Anton Tschechows «Onkel Wanja» und «Der Kirschgarten» erzählen bekanntlich von Idyllen, die keine mehr sind. Hoffnungen zerplatzen, aus Landgütern werden Grundstücke für Datschen. Von den kritischen Spitzen auf feudale Müßiggänger, aufkommenden Kapitalismus und die rücksichtslose Industriegesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts ist in Christopher Durangs...

«Da ist zunächst einmal eine neue Energie»

«Die Leute von der Bürgerbühne bringen eine Realität mit, die wir so in ihrer Vielfalt nicht erfahren würden.» (Wilfried Schulz)

Hajo Kurzenberger Es wird fortwährend darüber nachgedacht, wie man das Theater weiterentwickelt und wie die Reaktion des Theaters auf die gegenwärtige gesellschaftliche Situation aussehen sollte. Soziologen konstatieren die...

Burgunder fürs Parkett

Ein Mann wird verlassen, ein Kapitel geschlossen. Mobiliar, Wände, Boden sind weiß abgedeckt, ein früheres Leben verschwindet unter Laken wie eine Leiche. Zeit, sich neu zu erfinden. Gesichter flammen auf, die Laken sind jetzt Leinwände neuer Lebensgeschichten, «Entwürfe zu einem Ich», die Max Frisch 1964 variantenreich ausbreitet, um letztlich doch von der...