Augen auf!
Hundert Millionen Euro, immerhin ein Drittel des hauptstädtischen Kulturbudgets, wandert in Berlin in die drei staatseigenen Opernhäuser. Davon wird ein beträchtlicher Batzen vergeudet für ewige Toscas sowie diverse Dirigenten-, Regisseurs-, Intendanten-Eitelkeiten. Denn ein jeder macht am liebsten Oper für sich, anstatt in konzertierter Aktion Oper für die Stadt. Das führt zu skandalösem Leerstand: Unterm Strich nämlich bleibt eins der drei Häuser ohne Publikum.
Prekäre Lage!
Die dafür Verantwortlichen sollten schleunigst einen Blick riskieren auf Berlins vierten Musiktheaterbetrieb: die Neuköllner Oper. Seriöse Kritiker-Kollegen meinen, dieses überrumpelnd gewitzte, dennoch mit heiligem Ernst die Gegenwart beim Schopfe packende Hinterhofetablissement liefere die gefühlte Hälfte der Gesamtkreativität des Hauptstadt-Musiktheaters.
Eigentlich eine Sensation, dass jeder, der Berlins Opernbetrieb kennt, das kommunikative Neuköllner Autonomenhaus auf Augenhöhe beurteilt mit dem pompösen Rest. Woran das liegt? An einer eher selten auffindbaren Art Autoren- und Uraufführungstheater, das so uneitel wie ungeniert «U» und «E» in eins bringt. Und: Weil mit Bodenhaftung und Schmiss ganz ...
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