Auf ein Bier zum Radio hören
Am Anfang kam das Theater ins Radio. Alfred Braun, Rundfunkpionier in den zwanziger Jahren und der erste deutsche Hörspielregisseur, hat die Urszene rückblickend immer wieder gern beschrieben: Wie sein Ensemble buchstäblich mit Pauken und Trompeten durch die Flure und Treppenhäuser im Berliner «Voxhaus» zog, vorbei an den Büros von Agenturen und Anwaltskanzleien. Das Studio der Berliner Funkstunde war unter dem Dach, aber für einige Szenen brauchte Braun mehr Bewegungsfreiheit. Seine erste Inszenierung für die «Sendebühne» war «Wallensteins Lager».
Es gibt keine Aufzeichnung von diesem Hörspiel, aber einige Fotos, auf denen die Schauspieler zu sehen sind: Fahnen schwenkend und von Kopf bis Fuß kostümiert wie für ein Bühnenstück. Für die hauseigene Programmzeitschrift hatte man sich aussagekräftige Bilder gewünscht.
Frei waltet die Vorstellungskraft
Heute zeigen Fotos von Hörspielproduktionen meist Sprecher in Zivil, die, das Manuskript in der Hand, hemdsärmlig um ein paar Mikrofone herumstehen. Die Produkte ihrer Arbeit aber finden immer häufiger den Weg auf die Bühne. Nach Planetarien, Büchereien, Kirchen, Kneipen und Clubs wurde das Theater als Spielort für Radiokunst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein schwarzhäutiges Zimmermädchen in der großen Marmorbühnenbox wischt den Boden, wischt und wischt, ihre Bewegung wird langsamer, wird Zeitlupe. Dann, nach einer Vorhangpause voll laut dröhnendem Rauschen: absolute Stille. Als wäre aller Ton weggedreht. Und in der Stille, im grellen, nackten Marmorraum, sitzt allein ein Baby, gerade mal ein paar Monate alt, sitzt...
Als Johan Simons begann, Theater zu machen, bestand er darauf, seine Aufführungen stets außerhalb der festen Häuser zu zeigen. Seine Gruppe Hollandia spielte überall dort, wo Theater nicht hinpasste, in Wohnungen und Hühnerställen, in Gewächshäusern und auf dem Acker, in verrotteten Fabriken und postmodernen Bürokomplexen. Aus der Not, keine eigene Bühne zu haben,...
In seinem 1932 erschienenen Roman «Von drei Millionen drei» lässt Leonhard Frank («Links wo das Herz ist»), der «Gentleman» (Fritz Kortner) der deutschsprachigen Exil-Literatur, ein durch Hoffnungslosigkeit zusammengeschweißtes Freundes-Trio die Heimatstadt Würzburg und später das Land, in dem man «sicher nur zugrunde gehen kann», verlassen. Sie fliehen vor Armut...
