Athens beste Jahre
Zehn Jahre zuhause herumsitzen und auf den Mann warten, ist kein Vergnügen. Vor allem, wenn der gerade damit beschäftigt ist, fremde Städte zu plündern, und mit kriegsgefangenen Fürstentöchtern herummacht. Obendrein auf dem Weg dorthin die eigene Tochter aufgeschlitzt hat, damit der Fahrtwind wieder an Schwung gewinnt. Constanze Beckers Klytaimnestra hockt angemessen verbittert und frustriert in ansprechender Unterwäsche vor der Wand und mümmelt an einem Brötchen. Die Zigarette im Mund, eine Bierbüchse neben sich, brütet sie gefährlich übellaunig vor sich hin.
Hätte sie sich nicht gerade zum Bericht von Iphigeniens Opferung einen Kanister Theaterblut malerisch über die Haare gegossen, niemand würde sie in einer griechischen Tragödie vermuten. Eher in einem Stück tristen Sozialrealismus, Kitchen sink abwärts.
Steins Schatten
Die «Orestie» des Aischylos hat in den letzten Jahren wieder verstärkt Spielplan-Konjunktur. Nach Peter Steins einschüchternder Berliner Inszenierung von 1980 war sie fast zwei Jahrzehnte kein Thema. Der achtstündige Schaubühnen-Theatermarathon schien kaum zu überbieten, und auch deutungstechnisch blieben lange Zeit keine Fragen offen: Das große Spiel von ...
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Ibsens Auferstehung: Heddas und Noras auf fast allen deutschen Bühnen. «Absturzängste des Bürgertums» seien aktuell, sagt Thomas Ostermeier, der Protagonist des Ibsen-Revivals. Nun stürzt das Bürgertum schon seit 100 Jahren ab. Sein Überleben könnte also von seinen Absturzängsten verursacht sein und Ibsens dauerhafter Erfolg von der hartnäckigen, alternativlosen...
Wann ein Mann ein Mann ist, hat Herbert Grönemeyer aus Bochum schon vor einer Weile geklärt. Diese Männerdämmerung passierte im Zickenbeat und tat etwas weh, vor allem in den Ohren, aber das Leiden hat sich gelohnt: Wir dürfen jetzt weinen und rosa Hemden tragen. Es lag also doch auch ein Sieg in der Niederlage. Etwas länger beschäftigt man sich allerdings mit dem...
Angefangen hat alles zu jener Zeit, da Schweizer Mädchen klassischerweise Au-Pairs werden und Jungs in die Rekrutenschule gehen und allgemein der erste Ernst des Lebens geprobt wird. Oder dessen Leichtigkeit. Nach dem Abitur entschloss sich Reto Finger nämlich, gemeinsam mit einem Heidelberger Freund Theater zu machen. Und zwar alles. Er schrieb, spielte – und...
