Archäologie der DDR
Jeder Fortschritt hat seinen Preis. Und sei es einen intellektuellen. Wenn man Werbeplakate prangen sieht mit einer Frau auf den Schultern eines Mannes, vier goldenen Paketen in der Hand und der Botschaft «Ich kann endlich so lange shoppen, wie ich will», dann ahnt man, wo die Kosten unserer hochtechnisierten Marktwirtschaft liegen: in Innovationen, die zu bloßen Suggestionen werden, in einem Konsum, der Zweck und Maß verliert, in der Verkümmerung des Blicks, wofür es sich zu leben lohnt.
Auf die Shoppingcenter-Werbung lenkte Stuttgarts Neu-Intendant Armin Petras in einem Interview wenige Tage vor seiner Rückkehr nach Berlin (an die Schaubühne, nicht an sein altes Gorki Theater) das Augenmerk, um den Punkt zu bezeichnen, von dem er sich mit seiner Christa-Wolf-Inszenierung «Der geteilte Himmel» abstoßen wollte. Gegen das Heute, das die gesamtgesellschaftliche Umsicht einbüße, setzte er die DDR-Erzählung aus den Tagen des Mauerbaus, eine Liebesgeschichte, umweht vom Hauch der sozialistischen Gesellschaftsutopie, mit Kämpfern der Produktion statt Popanzen des Konsums.
«Es war die Zeit des großen kollektiven Glaubens», sagt Rita 1989 rückblickend zu ihrem Manfred in einem freien ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Christian Rakow
Mangelnden Mut kann man Sebastian Hartmann nach diesem Abend weiß Gott nicht vorwerfen. Er wagt sich wieder nach Frankfurt, wo er der Regisseur jenes «Massakerspiels» war, bei dem die hohe Spiralen schlagende Affäre mit dem Block begann. Es war und blieb lange seine einzige Frankfurter Inszenierung. Jetzt hat ihn Oliver Reese eingeladen, hier «Die Dämonen» als...
Ein neues Haus, eine neue Intendantin. Aber keine freudige Erwartung. Zu schwer wiegen die Hypotheken der Vergangenheit und die Lasten der Gegenwart. Wenn man das neue «Theater am Engelsgarten», wie sich die neue Spielstätte des Wuppertaler Schauspiels nennt, mit der alten vergleicht, erhält man ein Bild für die veränderte gesellschaftliche Situation des...
Paris kehrt zur Normalität zurück, mit Narben. Das Gedenken an die Attentate vom Januar bleibt sichtbar, etwa an der Place de la République: Da ist das Monument der Republik in der Platzmitte, mit der allegorischen Figur der Marianne, Symbol der Freiheit Frankreichs, übersät mit Blumensträußen. Kerzenlichter stehen da, Plakate und Flugblätter. Toute la république...
