Antikenexpress und Abstellgleis
Man muss sich Ödipus als einen geduldigen Mann vorstellen. In seinem langen Leben musste er schon manche Überraschung verkraften, und auch danach war ihm wenig Ruhe vergönnt. Sigmund Freud hat auf seinen mythologischen Schultern eine Schule errichtet, mit der er die Pathologien der Moderne erklären wollte, und für die Hinterfragungslust der Ideologiekritik gilt der Thebanerkönig mit den vielen Leichen im Keller als Grundstein und Hausheiliger. Nach den Großtheorien des letzten Jahrhunderts ist es allerdings erstaunlich still geworden um den alten Mythos.
Was hat er heute noch zu bedeuten? Nun hat John von Düffel aus vier antiken Tragödien, durch die Ödipus mehr oder weniger prominent geistert, einen mächtigen Familien-Mehrteiler gebaut, der von «König Ödipus» zu «Sieben gegen Theben» über «Die Phönizierinnen» bis zur «Antigone» reicht. Was den «Buddenbrooks» ihr Lübeck, ist hier Theben.
Wo es um die großen Zusammenhänge geht, müssen die kleineren zurücktreten. In diesem Fall so ziemlich alles, was nicht zur Kernhandlung gehört: Zweifel, Umwege, Kommentare, also das ganze hinderliche Nachgedenke. Chorpassagen fliegen grundsätzlich raus, weil zu viel Reflexion nicht wirklich ...
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Franz Wille
Ein hochsommerlicher Mittwochabend in Barcelona. Die Temperaturen haben sich gerade so auf unter 30 Grad Celsius abgekühlt, und im Sala Beckett, einem kleinen Haus für zeitgenössisches Theater im alternativ geprägten Stadtteil Gràcia, steht «El Principi d’Arquimedes» (Das Archimedes-Prinzip) auf dem Programm, ein Stück des Nachwuchsautors Josep Maria Miró i...
Der seit 2003 einsitzende ehemalige Oligarch Michail Chodorkowski hat es nie auf den Titel des «Spiegel» geschafft, Nadeschda Tolokonnikowa schon, im August. Unter ihrem Bild im Heft, auf dem sie die Hand zur Faust ballt, steht der schöne Satz: «Revolution kann sexy sein, wenn kirschäugig Solschenizyn im Glaskasten zitiert wird.» Nadjeschda Tolokonnikowa ist laut...
Aachen, Grenzlandtheater
28. Ibsen-Bille, Ohne Gesicht
R. Jens Pesel
Aalen, Theater der Stadt
6. Süskind, Der Kontrabass
R. Jürgen Bosse
Altenburg/Gera, TPT
12. Horváth, Kasimir und Karoline
R. Bernhard Stengele (in Gera)
18. Reza, Kunst
R. Anne Keßler (in Altenburg)
27. Tabori, Mein Kampf
R. Deborah Epstein (in Gera)
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
14. Schiller, Die...
