Alles andere als gut gemeint
Links eine Taxi-Zentrale, rechts ein Kiezfriseur und auf den zehn Metern bis zum U-Bahnhof Boddinstraße noch eine zünftige Absturzkneipe: Urbaner als Tamer Yigit und Branka Prlic in ihrem frisch angemieteten Neuköllner Ladenbüro kann man definitiv nicht arbeiten. Interessiert steht das Regie-Duo im Türrahmen und beobachtet die Nachbarn, die ihren Lebensmittelpunkt an diesem heißen Frühlingstag ebenfalls vor die Haustüren verlegt haben.
«Wir sind erst vor einer Woche hier eingezogen», sagt Yigit, «und ich könnte schon mindestens ein Stück schreiben!»
Die Feuilletons feiern Yigit und Prlic für ihre künstlerischen Integrationsverdienste um die türkischstämmige Community: Bereits in seiner ersten abendfüllenden Arbeit 2005 am Berliner HAU – dem semidokumentarischen, autobiografisch inspirierten Tanz-Theater-Projekt «Meine Melodie» – wuchtete Yigit mit Grandezza den dramatischen Soundtrack (s)einer Kreuzberger Jugend auf die Bühne. Und für die preisgekrönte Erfolgsproduktion «Ein Warngedicht» recherchierte er mit Prlic monatelang an einer Kreuzberger Schule. Auf dieser Basis schrieben sie einen Text, der mit minimalen theatralen Mitteln maximal Erfahrungshorizonte weitet.
Dabei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Franz Wille Die «Neuen Stücke aus Europa» finden im Juni zum zehnten Mal statt, zum zweiten Mal mit dem Staatstheater Mainz, die erste Ausgabe dieser Biennale erschien 1992. Seitdem hat sich einiges verändert, sowohl der Stellenwert zeitgenössischer Dramatik als auch die politische Situation in Europa.
Manfred Beilharz 1992 war schon eine Entwicklung in Gang, die...
Von der menschlichen Seite betrachtet, ist so ein Mythenheld ja wenig sympathisch. Herakles’ Weg zum Ruhm ist mit Leichen gepflastert, sein Familienleben ein Desaster, seine Sozialkompetenz ungenügend. Am Ende stirbt dieses Egomonster einen qualvollen Tod. Damit beginnt die Trilogie von Armin Petras. Die drei Stücke («Herakles’ Tod», «Alkestis, mon Amour» und...
Manchmal ist freies Theater in Wien ein ausgesprochen kulinarisches Vergnügen. Spielort für die jüngste Produktion der Gruppe Toxic Dreams ist das schicke Restaurant «Schon Schön» im 7. Bezirk. 20 Besucher sitzen an einer großen Tafel und kommen gegen eine freiwillige Spende (es gilt das Prinzip «Pay as you wish») in den Genuss eines siebengängigen Menüs. Zwischen...
