Alexander Sokurow verfilmt Goethes «Faust»
Der Anfang ist rauschhaft – aber schnell verflogen. In den Wolken hängt ein zierlicher Spiegel, die Kamera schwebt durch die Lüfte und senkt sich nach einem weiten Panorama-Schwenk auf eine Stadt am Meer und in gebirgigem Tal. Oder doch eher auf eine Fantasy-Landschaft von Mittelerde? Eingekuschelt in den Mutterboden wie – Referenz an F.W. Murnau – in den Faltenwurf des Mantels von Mephistopheles Emil Jannings und dessen diabolischen Schatten.
Alexander Sokurow landet nach dem Höhenflug, der sich von einer Google-map-Erkundung kaum unterscheidet, im Mikrokosmischen: dem Gekröse.
In einem Schuppen greift ein missmutiger Mann ins pralle Menschenleben und fuhrwerkt im offenen Unterleib einer Leiche, assistiert von einem Gesellen, der wienerischen Akzent pflegt. Auch zu Zeiten von Goethe muss die Generation Praktikum schon örtlich flexibel gewesen sein. Famulus Wagner (Georg Friedrich), von naiv devoter bis vorwitziger Penetranz, und der zum «Professor» promovierte Faust suchen die Seele in diversen Körperabteilungen, wobei der seiner Gelehrsamkeit überdrüssige Skeptiker sie am wenigsten im Kopf vermutet.
Mit seinem auf Deutsch gedrehten «Faust» beendet der 1951 geborene Sokurow eine ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Andreas Wilink
Die Theaterdirektorin Emanuela Striese weiß Bescheid. «Man kann über alles Theater machen, bloß nicht über anderthalb Stunden», klärt sie den dramatisch dilettierenden Professor Gollwitz auf, der berechtigte Zweifel an der Bühnentauglichkeit seiner spätpubertären Römertragödie «Der Raub der Sabinerinnen» hegt. Und während Gollwitz (Matthias Leja) auf seinen...
Pläne der Redaktion:
Milo Raus Hate Radio
Jürgen Kuttner
Armin Petras China-Reise
Impressum
Die Theaterzeitschrift
im 53. Jahrgang
Gegründet von
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Herausgeber
Friedrich Berlin Verlag
Redaktion
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Barbara Burckhardt
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Mitarbeit
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Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art...
Die Gehilfin räumt auf. Es soll ja alles spurenfrei und sauber sein für «Die Unter–richtsstunde» im Theater Basel. Eine frische Schülerin läutet. Schnell den Tisch gewischt, eine herrenlose Tasche in die Truhe gepfeffert, die alten Formeln auf der Tafel ausgelöscht, das Transistorradio in der Schürze abgewürgt. Schon stiefelt die Haushälterin (Nikola Weisse) zur...
