Akt der Verzweiflung

Pläne und Absurditäten der französischen Kulturpolitik

Theater heute - Logo

Die Comédie-Française ist das Theater Molières und noch immer eine von Frankreichs wichtigsten Bühnen: das «Théâtre français» oder kurz «le Français». Die Comédie-Française kämpft aber auch nach wie vor gegen einen verstaubten Ruf. Deklamationstheater, Beamtenschauspieler, Schnarchkunst – Muriel Mayette, seit zwei Jahren Intendantin, tut viel dagegen, sei es mit (gemäßigt) neuen künstlerischen Positionen, sei es mit der Ankündigung, die Comédie-Française gehe in die Vorstadt und erhalte dort eine neue Spielstätte.

Das Français in der Banlieue? Abwegig ist das nicht, einen flexiblen Saal mit einer Infrastruktur, die zeitgemäße Sichtweisen erlaubt, könnte das Theater durchaus brauchen.
   

Schnarchtheater goes Schlafstadt?

Nur soll dafür ein bestehendes Theater mit ausgezeichnetem Ruf annektiert werden: die MC93 in Bobigny. MC steht für «Maison de la culture», Bobigny ist die Hauptstadt des Départements 93, Seine/Saint-Denis, astreine Banlieue: Beton, Hochhaussiedlungen, Supermärkte. Eine dieser postmodernen Schlafstädte um Paris; Métro 5 fährt direkt in die Stadt. Die MC93 ist eine erste Adresse für internationale Gastspiele und Koproduktionen, auch deutschsprachige, Frank Castorf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2009
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Andreas Klaeui

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gestochen unscharfe Polaroids

Deutschland, im Mai 1977. In München packt Franz Beckenbauer, der für ein paar Jahre zu New York Cosmos wechselt, gerade seine Koffer. In Stuttgart-Stammheim sind die Urteile im ersten großen RAF-Prozess gesprochen, deren verheerende Folgen noch nicht abzu­sehen sind. Und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg wird «Trilogie des Wiedersehens», das dritte...

Kratzen am Grossen Einverständnis

Das russische Theater fällt selten durch politischen Humor auf. Unlängst gab es jedoch eine Aktion der Gruppe «Ära» in Sankt Petersburg, die an beste Traditionen anknüpft: Subversion durch Affirmation. Mit Parolen wie «Ja zu steigenden Strompreisen» und feierlich hochgehaltenen Putin-Porträts bewegte sich der «Marsch der Einverstandenen» über die altehrwürdige...

Still und nonchalant

Es gibt diese Saison zwei viel diskutierte Produktionen zu historisch-politischen Komplexen, von denen eine zum Theatertreffen eingeladen wurde, die andere nicht. Während Volker Löschs trivial-demagogische Umarbeitung von Peter Weiss’ «Marat/Sade»-Stück («Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?») mit der Einladung die Ehre erhielt, «bemerkenswert» genannt...