Agenten im Harem
Was ist das für ein System, in dem ein 50-jähriger Lichttechniker mit ‹Best Boy› angesprochen wird?», fragte einmal der Filmemacher David Mamet Hollywoods Filmindustrie. Was ist das für ein System, könnte man entsprechend die Städtischen Bühnen fragen, in dem eine 24-jährige Schauspielerin, die nach Abschluss ihres Studiums ihr erstes Engagement antritt, sich «Küken» nennen lassen muss? Das Ensembletheater hat in der freien Szene bekanntlich keinen guten Ruf.
Von uns, die wir bekennend dogmatisch in der Gruppe die wahrhaft zeitgenössische Organisationsstruktur fürs Theatermachen sehen, wird die Konstruktion des Ensembles bestenfalls als eine unhandliche Retorte angesehen, schlimmstenfalls als ein künstlerischer Harem, in dem früher Militärs ihre Mätressen rekrutierten, während dort heute die städtische Wirtschaft ihre kulturelle Ader zeigt und bei Prosecco und Petits Fours auf Tuchfühlung geht. In den Plüschfoyers überwiegt die schwärmerische Überhöhung dieser Struktur, die zumindest in Westdeutschland traditionell noch immer als Garantin kommunaler Identität angesehen wird. «Unser wunderbares Ensemble» zu loben ist beinahe schon Bürgerpflicht, und wenn diese Harmonie zwischen ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 68
von Veit Sprenger
Die Theaterzeitschrift
im 56. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Krämer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Te...
Den Moment, in dem Karin Bergmann zum ersten Mal begriffen hat, dass sie tatsächlich Burgtheaterdirektorin ist, kann sie genau benennen. 6. September 2014, 21.30 Uhr: Im Akademietheater ist gerade die Uraufführung von Wolfram Lotz’ «Die lächerliche Finsternis» über die Bühne gegangen. Dass die Inszenierung ein großer Wurf ist, hat kaum jemand im Saal übersehen. Und...
Ein ideales Ensemble wäre wie die perfekte Ehe: Ohne Eitelkeiten und übertriebene Ansprüche, hingebungsvoll und mit Leidenschaft bei der Sache, loyal und fürsorglich, vertraut und freundschaftlich, bis dass der Tod sie scheidet. Es wäre ein Ensemble, das keine Drehtage einfordert oder Urlaubsscheine einreicht, das sich nicht über Doppelvorstellungen oder...
