Ich bin’s gar nicht
Dieser junge Mann inszeniert das eigene Leben. Ziemlich lange muss er zwar warten zu Beginn, sogar ein paar Mal rausgehen und wieder reinkommen, weil noch nicht passiert, worauf er wartet – dann legt er, endlich, los. Fingerschnipps: Musik. Ob allerdings die Geschichte, die nun beginnt, und zwar mit dem Auftauchen der schönen Olga, tatsächlich die ist, auf die der junge Mann sich einzulassen hoffte, darf offen bleiben.
Ohnehin bekommt Hugo, der junge Intellektuelle mit der schicken Boutiqueneinkaufstasche in der Hand, im weiteren Verlauf des Abends noch ein paar Mal Gelegenheit, darüber nachzudenken, ob er eigentlich in den richtigen Film geraten ist – Cilli Drexel hat für die Inszenierung von Jean-Paul Sartres Nachkriegs- und Revolutionsdenkspiel «Die schmutzigen Hände» ganz auf das Verwechselspiel von Wahrheit und Vision gesetzt, das dem Klassiker eingeschrieben ist.
Immer wieder und plötzlich stoppt ja Hugos Bewusstsein seiner selbst im Prozess einer
tödlichen politischen Intrige im Rahmen der Auseinandersetzungen um das Erbe eines
zerfallenden Staates, immer wieder hält er inne und fragt sich, im Spiel mit der Liebsten Jessica wie im Ringen um die Macht im Umfeld des aalglatten ...
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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Michael Laages
Nein, in der Haut dieses Mannes möchte man nicht stecken. Dass der Knecht Nikita das arme Waisenmädchen Marinka hat sitzenlassen, dass er im Verbund mit seiner intriganten Mutter und der Geliebten Anisja deren Mann Petr, seinen einstigen Herrn, vergiftet hat, dass er wiederum Anisja das Erbe entwendet und es mit deren Stieftochter Akulina verprasst hat – all das...
In England heißt alles, was mit Theater unterwegs zu tun hat, Touring. Auf der Insel gehört Touring allgemein zum guten Ton. Und wie so vieles in Englands Theater fängt auch das ordentliche Touringgeschäft zu Shakespeares Zeiten an: 1559 ordnete Elisabeth I. an, dass alle bis dahin informellen Theatergruppen, die durchs Land streunten, Lizenzen brauchten. Neue...
Eine dramatische Figur muss nicht unbedingt liebenswerte Züge haben. Aber Robert Keller in Reto Fingers «Haus am See» ist durch und durch unangenehm. Nicht böse – das wäre etwas ganz anderes –, nein, unangenehm. Ein Fabrikant, der seinen Bruder Max als Buchhalter knechtet; der seine Frau demütigt und seiner Schwägerin nachstellt; der eine schwangere Geliebte...
