Ein Schwarm Vögel

Roland Schimmelpfennig preist Jürgen Gosch und Johannes Schütz zur Verleihung des Theaterpreises Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung am 3. Mai 2009

Theater heute - Logo

1.«Alles ist spielbar», hat Jürgen Gosch mal bei einem gemeinsamen Treffen mit Johannes Schütz und mir im Café Lubitsch gesagt. Oder genauer – um ihn vollständig zu zitieren: «Alles ist spielbar, solange es im Text vorkommt.»
Konkret ging es damals wohl darum, wie es wäre, wenn sich ein komplettes Ensemble von Schauspielern in einen Schwarm Vögel verwandelt. Oder in ein Kornfeld im Wind. Vielleicht drehte sich das Gespräch aber auch gerade um die Verwandlung in Löwen, Wölfe, Krokodile oder Skorpione.
Oder in ein Spiegelei.

2.

    «Alles ist spielbar.» Das Theater von Jürgen Gosch und Johannes Schütz ist ein Theater auf der Suche nach der vollkommenen Freiheit. Es ist ein Theater der Vorstellungskraft.

3.    Ich habe bei den gemeinsamen Produktionen mit Gosch und Schütz in den vergangenen Jahren immer gestaunt. Ich war immer vollkommen verblüfft – überrascht. Der Weg, den die beiden einschlagen, ist nie vorhersehbar, ist nie berechenbar. Und zuletzt vor fünf Tagen hier im Deutschen Theater bei «Idomeneus» war es wieder so.

Beide, Gosch und Schütz, sind scheinbar durch nichts aus der Ruhe zu bringen, weder durch gewalttätige Pfeffermühlen noch durch rote Eulen, weder durch wildgewordene ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2009
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Roland Schimmelpfennig

Vergriffen
Weitere Beiträge
Turbulenzen mit Aufwind

Man könnte Schwarz sehen am Düsseldorfer Schauspielhaus. Auf der Farbskala bühnenästhetischer Vorlieben und bis in die Titel der Produktionen jedenfalls do­miniert Schwarz – oder als sein Kontrastmittel Weiß. Für die Generalintendantin Amélie Niermeyer scheint sich die Sicht der Dinge verdunkelt zu haben, nach fünf Jahren wird sie, auf eigenen Wunsch, wie es heißt,...

Feucht-fröhliche Träume

Henry Millers Roman «Sexus» eilt der üble Ruf voraus, das Ficken ficken genannt zu haben, lange bevor dies offiziell üblich war. In Oberhausen soll die Idee, «Sexus» auf die Bühne zu bringen, aus Diskussionen um den «Sommernachtstraum» hervorgegangen sein: Und in der Tat könnte man in «Sexus» den Sommernachtstraum des 20. Jahrhunderts sehen. «Was meinst du, was das...

Das finnische Pfund

Zum letzten Mal brachte ein Finne 2005 Glanz an die Ostsee. Das war Jari Litmanen, beim seinerzeit erstklassigen FC Hansa. Genutzt hat sein Engagement nichts, der Abstieg kam. Mittlerweile kämpft das Aushängeschild der Hansestadt in der zweiten Bundesliga um den Verbleib im Profifußball.

Abwärts ging es zuletzt auch mit dem Rostocker Volkstheater. Mit Tanz und...