Freie Szene: Lost in Cooperation
München und das freie Theater, das war durchaus mal eine Liebesbeziehung, damals in den 1970er und 80er Jahren, als sich allerlei wilde Vögel ungefragt und anfangs auch ungefördert in Kellern und Hallen ans Werk machten, um das Theater in eine von Material und Form her unbegrenzte Dimension zu öffnen, die man sich an den großen Häusern da noch lange nicht vorstellen konnte. Heutzutage ist vieles anders, die zwischenzeitlich erkämpften Subventionen für die Freien sind nicht nur immer noch knapp, sondern werden auch wieder zunehmend an formale Bedingungen geknüpft.
Die Stadt wünscht sich internationalen Glanz von «ihren» Künstlern und erwartet Projektanträge, die nicht nur künstlerische, sondern auch Mindestlohn-, Migrationsanteils- und Gendermainstreaming-Anforderungen erfüllen. Die überregionale Ausstrahlung hält sich trotzdem in Grenzen, und die Organisatoren der Veranstaltungsreihe «Monokultur München» rund um den Autor Matthias Hirth und den Performer Holger Dreissig halten das Label «Made in Munich» im Kunstbereich gar für rufschädigend. Diesem Dilemma gegenzusteuern, gab es immer wieder Initiativen, wie das zunächst von Theatermacher Gert Neuner 2008 fast ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Silvia Stammen
Auf die Bühne des Wiener Burgtheaters hat es die «Pension Schöller» in ihrer 126-jährigen Geschichte noch nie geschafft. Dafür gibt es in der Stadt Orte, die dafür besser geeignet scheinen, die Kammerspiele der Josefstadt zum Beispiel oder andere, dem Kitzel des Zwerchfells vorbehaltene Etablissements. Für die Kammerspiele entstand denn auch die berühmte...
Schreiben kann eine sehr lebendige Praxis sein, sich dem Leben zu entziehen. Wer schreibt, verpulvert kein Geld und vertickt keine Bibliothek, beschimpft niemanden, ist nicht im Bett mit Madonna oder anderen Frauen, reist nicht getrieben durchs Land, kassiert kein Hausverbot, auch wenn all das beim Schreiben sehr intensiv vorgestellt, gefühlt und eben...
Als die Blendscheinwerfer verlöschen und der Nebel sich lichtet, schaut das Publikum ins Paradies. Der Schöpfer ist wohl eben ausgetreten, die Schaukel schwingt noch, aber leer. Auf den zweiten Blick erkennt man, wie künstlich das Paradies beschaffen ist. Schilf sprießt am Pool, rechts duckt sich eine Palme, Farn wedelt, Blumen recken die Köpfe nach ihrem...
