Die Unmöglichkeit einer Gruppe
Ein sonniger Samstagabend im Juni: Friedlich liegt es da, das Occupy-Camp zu Füßen der Frankfurter Banktürme. Um den Zeltplatz herum: ein «Zaun» aus Plakaten zwischen Wut und Enttäuschung. Dazwischen die Ankündigung eines Kulturwochenendes. An einem Zelt, deutlich kleiner geschrieben, eine Liste: «Wir brauchen: Zelte, Schlafsäcke, veganes Essen.» Zwischen den Zelten: ein paar unaufgeregt zusammensitzende Leute.
Das wäre eine perfekte Szenerie für einen pointierten Dialog aus Martin Heckmanns neuem Stück «Wir sind viele und reiten ohne Pferd»: Da kreuzt der unzufriedene Künstler Knax auf der Flucht vor sich selbst bei einer antikapitalistischen Aktionsgruppe auf und kriegt auf die Frage «Seid ihr die 99 Prozent?» die Antwort «Wir sind noch nicht vollzählig.» Worauf er kontert: «Das sieht man.»
Dass die 99-Prozent-Bewegung je vollzählig sein wird, darf man trotz wohlgemeinter Empörungs-Aufrufe wie dem Büchlein «Wir sind viele» des SZ-Autors Heribert Prantl wohl bezweifeln. Ebenso, dass sie jemals mit 99-prozentiger Mehrheit entscheidet, wo genau sie hin will – was sie freilich nicht von anderen Aufstandsbewegungen unterscheidet, nicht mal von erfolgreichen wie dem Umsturz einst in ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 31
von Andreas Jüttner
Theater ist eine kollektive Kunst», befindet (und praktiziert) der Regisseur (und seit Herbst 2011 Intendant der Stuttgarter Staatsoper) Jossi Wieler. Und er sucht (und findet nicht immer) zusammen mit Dramaturgen, Bühnenbildnern, Dirigenten und Darstellern die gesellschaftliche und individuelle Wahrheit, Triftigkeit, die Gegenwärtigkeit der Bühnenvorgänge....
Wald und Keller gelten gemeinhin als Orte der Unübersichtlichkeit, als Fluchträume, in denen die reglementierenden Kräfte von Staat und Über-Ich keinen Zugriff haben oder zumindest nur einen Teil ihrer Macht entfalten können als unheimliche Anziehungspunkte, an denen man in der Begegnung mit sich selbst das Fürchten lernen kann. In München haben sich – rein...
Die Herren nehmen an der Rampe Aufstellung und machen Front: gegen die Konvention der Konversations-Komödie bis zur vollständigen Niederlage kommunikativen Handelns. Der Erlösung, die in Oscar Wildes «Bunbury» aus Jack Worthing doch noch einen Ernst macht und ihn – demaskiert – der Ehe zuführt, verbietet Thirza Bruncken gewissermaßen den Mund. Die Darsteller...
