Frauen am Rand des Nichts
Zwei Szenen aus dem Leben der Schauspielerin Maja Beckmann: Wir haben uns nach einer Vorstellung im Stuttgarter Schauspiel verabredet und laufen jetzt an der Oper vorbei durch die Fußgängerunterführung hinüber in den Stadtteil Uhlandshöhe. Im Neonlicht des Tunnels liegt ein Obdachloser, eingerollt in einen Schlafsack, quer im Weg. Als wir schon fast an ihm vorbei sind, kramt Maja Beckmann in ihren Manteltaschen. Sie findet kein Kleingeld, und mit enttäuschter Miene ruft sie zurück: «Heute habe ich nichts dabei, aber morgen ...
!» Sie sagt das so laut, dass der Mann aufschreckt aus seinem Schlaf und ihr verwirrt nachblickt.
Ein paar Wochen später: Schlussapplaus in der Außenspielstätte Nord des Stuttgarter Theaters. Maja Beckmann war die Cate in Sarah Kanes «Zerbombt», sie stand zitternd vor Einsamkeit in einer berstenden Welt, verteidigte ihren letzten Funken Würde unter Schmerzen. Nun wird sie bejubelt dafür. Und während sie abgeht durch das knöchelhohe Geröll, das Minuten vorher vom Bühnenhimmel runterkrachte, stolpert sie fast über die Puppe, die ihr Kind war in dem Stück. Beckmann bückt sich und hebt dieses leblose Ding fast zärtlich auf, drückt es an sich.
Wenn man etwas über ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2014
Rubrik: Akteure, Seite 24
von Bernd Noack
Letztes Jahr gewann das Stück den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarktes, zur Eröffnung des diesjährigen Festivals gab es nun die Uraufführung. Henriette Dushe widmet sich in ihrem zweiten Theatertext dem Sterben und dem Warten dreier namenloser Schwestern auf den Tod des Vaters. Dushe benennt die drei Schwestern gemäß ihrem Platz in der Geschwisterreihe. Die...
Zu Beginn der Performance «Frühlingsopfer» schieben sich die erwachsenen Mitglieder des Theaterkollektivs She She Pop – darunter einige, die selber Mütter sind – konfirmandenhaft an den rechten Bühnenrand. Johanna Freiburg erzählt, wie sie als Kind auf einem Fest «mit allen Mitteln» versucht hat, ihre Mutter am Tanzen zu hindern: «Im Nachhinein habe ich mich...
«Parents love to watch their kids grow», sagt Ökonomie-Guru Denis Meadows. Ein Jahr, zehn Jahre, fünfzehn Jahre. Spätestens mit 18 aber dürfen die Kinder nicht mehr wachsen, spätestens dann bekommt rein quantitatives Wachstum einen Zug ins Monströse, Unheimliche und sollte durch eine qualitative Entwicklung ersetzt werden. So ist das, mit Eltern und Kindern.
Unbegr...
