Im Neurosenparadies

Ewald Palmetshofer «Helden»

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Die Welt ihrer Eltern wollen die Kinder naturgemäß nicht. So geht es auch der fast volljährigen Judith und ihrem Bruder, dem Langzeitstudenten David. Ihre Eltern, eine Lehrerin und ein Redakteur, sind liberal, gebildet und verständnisvoll. Wenn es mal hart auf hart kommt, macht man halt ein Coaching oder geht in Therapie.

Kein Wunder, dass sich beide Kinder bei so viel Integrations- und Liebeswillen nicht nur in Therapie befinden, sondern auch einen ausgeprägten Hang zu explosiven Emotionen und Aktionen besitzen: Bei Judith ist es das Liebesleben («Mit mir macht’s dauernd bumm und ich lieb. Wie eine Bombe»), bei David sind es diffuse politische Revolutionsambitionen («Wir müssen ganz laut. Eine riesige Bombe»).

Als Comic-Helden Catwoman und Spiderman verkleidet, schmeißen sie Brandbomben in Geschäfte und Kaufhäuser. In einem finalen Zerstörungsakt lassen sie die Wellnesstherme, in der ihre Eltern grad ihren Kurzurlaub verbringen, hochgehen. Wie einst Mayenburg mit «Feuergesicht» lokalisiert Palmetshofer im bürgerlich liberalen Zwangsregime der Familie heftig brodelnde Sprenggelüste. Ausgesprochen zünftig legt er über winzige Verschiebungen in der Alltagssprache die tiefgreifenden ...

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Theater heute Mai 2009
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Natalie Bloch

Vergriffen
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