Stadt zum Stück
Als er im Mai den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts in Empfang nahm, war er mit seinen glatten Wangen und dem wohlgeordneten Haar noch der Schwarm aller Schwiegermütter. Inzwischen umweht ihn ein Hauch von Grunge, und es sind eindeutig die Töchter der Schwiegermütter gemeint, wenn Volker Schmidt mit Bart und langem Haar auf der Bühne einer Kommune erscheint, die wie die Stadt zum Stück wirkt.
In Heidelberg gibt es eine Ballung der edlen Wohnviertel, die Schmidt in Wien ausfindig machte und in denen ein Jugendlicher wie Thomas dezent orientierungslos durch die Gegend schleichen kann. Ein Flatrate-Trinker ist der Junge nicht, dafür zeichnet er gern Tote und steigt mit der Innenarchitektin Anna ins Bett, obwohl sie seine Mutter sein könnte und er auch zarte Gefühle für ihre Tochter hegt.
Anna bekommt ihr Leben nicht mehr in den Griff. Schuld daran könnte der frühe Tod ihres Zweitgeborenen sein. Der Kleine ertrank im Gartenteich. Sie weiß allerdings auch, dass ihr Gynäkologengatte Manfred ein Verhältnis mit Franziska, der Mutter von Thomas, hat. Die ist Filmaustatterin und kuschelt seit neuestem auch mit dem Werbefilmer Albert, der ihr blöde Feigwarzen verpasst hat, die ...
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