Versuche in Weltverbesserung

Loher/Kriegenburg/Simonetti «Quixote in der Stadt», Hans Henny Jahnn «Die Krönung Richards III.»

Theater heute - Logo

Es hätte so schön werden können, und so gut war es gemeint: Theater für die ganze Familie! Mit A-Schauspielern, einem A-Regisseur, einer A-Autorin! Musik! Ein Klassiker, 400 Jahre alt! Und eine frohe Botschaft: Lebe deine Träume! Die Weih­nachtszeit ist ja auch nicht mehr fern, nur noch ein Vierteljahr, und in den Supermärkten liegen schon die Lebkuchen.

Dass sich Erfolge nicht programmieren lassen, dafür ist «Quixote in der Stadt», Dea Lohers und Andreas Kriegenburgs Gemeinschaftswerk für das Hamburger Thalia Theater mit dem Musiker Laurent Simonetti, ein betrüb­liches Beispiel.

Dea Loher hat Miguel Cervantes unsterbliche Traum­ritter­geschichte ins Heute verlegt und in die Stadt. Quixote ist ein Bücherwurm, der sich vor den Zumutungen und Banalitäten der Realität in seine Bib­liothek verschanzt hat – Johanna Pfau hat Regale flächendeckend und himmelhoch auf den rampenabschlie­ßenden Prospekt malen lassen, darin nur ein winziger Ausschnitt als Bewe­gungsraum für den hageren, rot geklei­­deten Mann mit langem Haar und melancholischem Blick (Hans Löw, ein wahrhaftiger Ritter von der traurigen Gestalt), den seine Freundin (die wunderbare Natali Seelig, der es über drei lange Stunden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Chronik, Seite 42
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Dritte deutsche Welt

Tränen werden beim Abschied in Halle-Neustadt nicht vergossen. Fröhlich kräht eine Gruppe Menschen «Auf Wiedersehen, Sachsen-Anhalt» und «Tschüss, Halle» in den Nacht­him­­mel. Wer sich am Bahnhof der eins­tigen Chemiearbeiter-Schlafstadt aufhält, winkt zurück. Die meisten Leute hier kennen die Prozedur. Sie haben sich an den Anblick von mit Akten bestückten,...

Fliegen lernen

Durch das Logo von Deutschlands größtem Kinder- und Jugendtheater fliegt neuerdings ein Flugzeug. Vorläufig nur auf Papier, doch bald soll es auch vom Bühnenturm des Theaters leuchten und damit eine alte Tradition wiederbeleben. Bis 1990 strahlte von dort nämlich der ursprüngliche Name des Hauses «Theater der Freundschaft» in Leuchtbuchstaben über den Berliner...

Nette Nachbarn

Aalen scheint sich als Karriere­sprungbrett für junge Intendantinnen zu etablieren. Simone Sterr, die im Team mit Ralf Siebelt und Winfried Tobias einfallsreich und mit Erfolg das kleinste und jüngste Stadttheater Deutschlands einem breiteren Pub­likum öffnete, wurde schon nach drei Jahren weg engagiert ans Landestheater Tübingen. Die Neue ist Katharina Kreuzhage,...