Keine Angst vor niemand
Mangelnden Mut kann man Sebastian Hartmann nach diesem Abend weiß Gott nicht vorwerfen. Er wagt sich wieder nach Frankfurt, wo er der Regisseur jenes «Massakerspiels» war, bei dem die hohe Spiralen schlagende Affäre mit dem Block begann. Es war und blieb lange seine einzige Frankfurter Inszenierung. Jetzt hat ihn Oliver Reese eingeladen, hier «Die Dämonen» als zweiten Teil einer Dostojewski-Trilogie zu inszenieren. Tausend Seiten Dostojewski! Mut verlangt das allerdings weniger wegen der Länge als wegen Castorf.
Mit den «Dämonen» begann Frank Castorf einst die Reihe seiner legendären Dostojewski-Inszenierungen. Und es gibt wohl keinen Regisseur, der so reflexhaft als Castorf-Epigone bezeichnet wird wie Sebastian Hartmann. Da braucht man schon Chuzpe und eine gewisse innere Freiheit, um sich auf der Bühne noch mal an diesen Roman zu machen.
Vollkommen offen
Auch Angst vor dem unmittelbaren Feind ist in Frankfurts Schauspiel nicht festzustellen. Die Spieler kommunizieren munter und freundlich mit den Schauern, sie reden vertraulich mit dem Publikum in den ersten Reihen und scheinen überhaupt sehr glücklich über alle Anwesenden. Die Frankfurter Schauspielbühne, deren beeindruckende ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Peter Michalzik
Impressum
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 56. Jahrgang Gegründet
von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber:
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion:
Eva Behrendt, Barbara Burckhardt, Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Mitarbeit:
Martin Kraemer
Gestaltung:
Christian Henjes
Designkonzept:
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift:
Nestorst...
Bernd Noack Herr Schulz, was ist hier in Dresden eigentlich los?
Wilfried Schulz Naja, das fragen wir uns natürlich selber im Moment. Es ist wirklich eine nur sehr schwer zu verstehende Bewegung, die zwar im Kern etwas mit Dresden zu tun hat, aber natürlich nicht ausschließlich mit Dresden. Ich komme gerade aus Düsseldorf, und da finden dieselben Dinge im kleineren...
Hinter dem Vorhang wird Schubert gespielt. Einzelne beherzte Klavierakkorde, ein wenig schief, eine Dekonstruktion des Wanderermotivs. Denkt man. Bis man sieht: Das Klavier steht auf Zweimeterbeinen, und fünf Schauspielerinnen mühen sich zehnhändig, irgendwie Töne auf dem Monstrum zu erzeugen. Die vermutete Dekonstruktion ist in Wahrheit die körperliche Begrenzung...
