Nachrichten aus dem Maschinenraum
Liebes Theater heute,
vielen Dank für Ihren etwas melodramatischen Expeditionsbericht aus dem dunklen Maschinenraum der deutschen Theaterlandschaft im letzten Heft.
Soeben bin ich dem BLB-Bus entstiegen, habe keine 5 Zäpfle intus, kein trauriges Fern-Beziehungs-Gespräch im Herzkreuz. Ich suche nicht von der Kargheit meiner Landesbühnenexistenz gebeutelt auf Bruchsaler Feldwegen torkelnd mein Feldbett. Seltsamerweise befinde ich mich nicht in einer trist-traurigen Lage.
Also was ist mit mir los? Bin ich am Ende gar nicht in Bruchsal engagiert?
Oder fühle ich mich als Ensemblemitglied der Landesbühne Bruchsal durch Ihren Artikel falsch dargestellt? Kommt Ihr Erfahrungsbericht vielleicht von sehr weit oben?
Ich trau mich jetzt mal. Ich habe Spaß am Beruf. Im Ernst. Mitten in Bruchsal. Vieles von Ihnen Geschriebene ist nah an den Tatsachen, Arbeitsbedingungen getroffen, und ja, die Chancen, von irgendwem gesehen zu werden, sind übel. Alles richtig. Doch Suggestiv-Anekdötchen über den existenziellen Unterschied zwischen traurigem Busbier und Avantgardebrause in den hellen Theaterkantinen der wachen Städte bringen keine Erkenntnisse über den qualitativen Unterschied zwischen Stadt- oder ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Markus Hennes
Die ehrgeizige Mutter hat mit Sicherheit nicht nur einen Ayurveda-Kurs besucht: «Jetzt kommt gleich der Papa von der Arbeit, und dann machen wir uns alle zusammen einen wunderbaren Abend hier bei uns zu Hause», flötet sie ihrem Neugeborenen zu, das sich schweigsam – man könnte auch sagen: herzlich desinteressiert – in seinem rosafarbenen Strampler in der Zimmerecke...
Die selbsternannten Freiheitskämpfer auf spanischen Plätzen oder am Stuttgarter Hauptbahnhof, nicht mehr zufriedenzustellen durch den Gang der Dinge unter den Bedingungen repräsentativer Demokratie, tragen dazu bei, dass Juli Zehs Revolten- und Aufruhr-Fantasie um das «Corpus Delicti» nicht mehr ganz so weit hergeholt wirkt wie bei der Uraufführung 2009. Vielleicht...
Am Ende sitzen sie im Knast, Annette (19) und Isabell (22), verhaftet auf einer Demo gegen die jahrelange Wegsperrung von Asylbewerbern. Dort endlich sind sie alle aufeinander getroffen: Annette, das Kind aus gutem Hause mit dem großen Leeregefühl und der diffusen Scham der Privilegierten, Isabell, die abgebrochene Studentin, Tochter einer ausgenutzten...
