Spaß muss sein

Goldoni «Der Diener zweier Herren»

Theater heute - Logo

Wenn einer in Venedig knietief durch den Kanal watet, kann er kein Padrone sein. Truffaldino ist ein schlichter Schelm, und zwar, den abgeschnittenen Hosen nach zu urteilen, einer aus der Kurz­hosengang des Zürcher Schauspielhauses.

Truffaldino ist auch Carlo Goldonis «Diener zweier Herren», ein Titelheld also, und damit fällt er am Schauspielhaus Zürich ins Metier eines gern gefeierten Gastes: Michael Maertens. Maertens verkörperte in Zürich in der Regie von Barbara Frey in früheren Spielzeiten auch Malvolio und Alceste; eine illustre Liste ernsterer Traumrollen ließe sich anfügen.

Das bedeutet auch: Die Tatsache, dass Michael Maertens als Truffaldino sämtliche Komödienkanäle bespielt, genügt der Inszenierung als Programm. An den Verhältnissen gibt’s jedenfalls von der ersten Szene weg nichts zu rütteln oder zu deuteln. Robert Hunger-Bühlers Pantalone feilscht mit Dottore Lombardi um eine Hoch­zeit. Um Clarice geht es, ein rüschenbesetztes Hängerchen von einer Braut, die bei Marie Rosa Tietjen in chronischer Trotzhaltung erstarrt und nur zu glaubhaft versichert, sie werde sich im Fall einer unliebsamen Partie «sämtliche Löcher zustopfen».

Clarice wird Silvio versprochen, dem Sohn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2014
Rubrik: Chronik: Zürich, Pfauen, Seite 56
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Pläne der Redaktion / Impressum

Zur sommerlichen Jahreszeit herrscht hohe Festivaldichte: Über die Wiener Festwochen, Theater der Welt, die Biennale Neue Stücke in Europa und andere theatrale Ozonspender

Wissen Sie, was eine Tragödie ist? Dann werden Sie sich möglicherweise wundern. Hans-Thies Lehmann denkt in seinem Tragödienbuch nicht an Konflikte, sondern an Exzesse!

Dmytro Ternovi ist nicht...

«Der Feminismus interessiert mich null»

Es ist nicht ganz einfach, ernst zu nehmende Kollegen bei der Verwechslung von Schauspielern mit ihren Bühnen-Figuren zu ertappen. Ein Theaterkritiker, der einen Mephisto-Darsteller ohne Ironiesignale fragen würde, ob er auch im Privatleben Blut als ganz besonderen Saft abfeiert, hätte sich professionell sofort erledigt. Erzählt man allerdings im Kollegenkreis,...

Hingetuschte Möglichkeiten

Auch die Hexen haben heute Notebooks. Manierlich setzen sie Mac­beth an den Feldtisch, ein Klick, und er hat ihre Prophezeiungen vor sich auf dem Bildschirm: Schottlands künftige Könige in digitaler Prozession; Gefahr droht von keinem, den eine Frau geboren hat; solange der Wald von Birnam nicht aufs Schloss zumarschiert, kann nichts passieren.

Die...